Albrecht Dürer

Der hl. Hieronymus in der Wüste

Details

Bartsch 61; Meder 57 f (von g); Schoch/Mende/Scherbaum 6 f (von g).

Provenienz:
Dr. G. Güttler, Reichenstein und Berlin, verso mit dem Stempel (Lugt 2807 b);
C. G. Boerner, Leipzig, Auktion (Sammlung Güttler),12.5.1928, Los 397;
Dr. Albert W. Blum (1882-1952), Schweiz und Short Hills, verso mit dem Stempel (Lugt 3198);
Buch- und Kunstantiquariat E + R Kistner, Nürnberg;
seitdem in Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Ausgezeichneter, tiefschwarzer und in der unteren rechten und linken Ecke minimal doublierender Abdruck. Im Auktionskatalog von Boerner als „prachtvoller frischer Abdruck von größter Tiefe des Tons beschrieben“. Mit dem großen Kratzer rechts parallel zum Rand und kleinen Kratzern im Weiß des Himmels. Auf Plattenkante geschnitten.
Dürer hat sich in seinem graphischen Werk mehrfach mit dem lateinischen Kirchenvater beschäftigt, der im Laufe des 15. Jahrhunderts wachsende Verehrung erfuhr. Hier zeigt er ihn als büßenden, sich selbst kasteienden Einsiedler in der Wüste zusammen mit seinem Löwen, dem er der Legende nach einen Dorn aus der Pranke gezogen hatte. Das Blatt gehört zu den frühen großformatigen Kupferstichen Dürers. Die Darstellung wurde seit Wölfflin immer wieder mit der des „Verlorenen Sohns“ verglichen, der sie nicht nur formal, sondern auch zeitlich nahesteht. Sie zeigt Dürers Bemühen, eine kniende menschliche Figur in einen Landschaftsraum hineinzuversetzen, der aus verschiedenen, teils realen, teils erfundenen Elementen zusammengesetzt ist. Im Vordergrund kniet der Heilige mit Blick auf ein Kruzifix in einer sandigen Kuhle, die „mit prächtig strömenden Linien gezeichnet ist“ (Wölfflin). Die schroffen Felsbildungen im Mittelgrund beruhen auf genauen Naturstudien von Steinbrüchen in der Umgebung Nürnbergs, im Hintergrund ist ein ferner Ausblick auf eine Insel mit einer Burg im Meer zu sehen. Mit der Figur des asketischen Einsiedlers, die er vor den Landschaftsraum setzt, überspielt Dürer die streng voneinander geschiedenen Brüche. – Verso entlang der Kanten mit Kleberesten alter Montage, ansonsten schön.