Emil Nolde

Abendmeer mit Dampfer

Details

Mit einer schriftlichen Fotoexpertise von Professor Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 12.10.2018. Die Arbeit ist in seinem Archiv unter der Nummer „Nolde A – 104/2018“ registriert.

Provenienz:
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Aus der Reihe der „ungemalten“ Bilder.
Im Sommer 1941 erreicht Nolde ein Einschreiben der Reichskammer der bildenden Künste, Berlin: Ihm wird mit sofortiger Wirkung jede berufliche Betätigung auf dem Gebiet der bildenden Künste untersagt. Er darf effektiv nicht malen, nicht ausstellen und nicht verkaufen. Er empfindet sich als „armer rechtloser Mensch, seelisch und künstlerisch geächtet und verfolgt“. Er, dessen ganzes Wesen auf das Schaffen von Bildern ausgerichtet ist, kann das Malen aber nicht lassen. Ölbilder entstehen zu dieser Zeit fast keine, da der Geruch der Farbe ihn verraten könnte. Stattdessen wendet er sich dem Aquarell zu, im kleinen Format, denn das gehortete Japanpapier ist knapp und er darf sich kein Malmaterial kaufen. Er nennt diese Bilder „ungemalt“, da sie eigentlich nicht entstehen durften. Dabei sind es Arbeiten, die Nolde nur für sich selbst malt, geboren aus der Verzweiflung über eine Situation, die ihm fast die Luft zum Atmen abschnürt und sein Selbstwertgefühl auf eine harte Probe stellt. Stephan Koja schreibt zu diesen Arbeiten: „Es ist das reife, ja überragende Spätwerk Noldes, von einer wie unerschöpflichen Originalität und bildnerischen Kraft, entstanden aus einer geradezu schlafwandlerischen Sicherheit in der Handhabung der Farbe und der Freiheit der Form, ein Schaffen ganz aus der Erinnerung und der Erfahrung eines langen Malerlebens, das nun wie natürlich aus dem Künstler herausströmt und zum Bild wird.“ (zit. in: Emil Nolde. In Glut und Farbe, S. 229). – Ränder leicht unregelmäßig geschnitten. Allgemein in sehr gutem Zustand.