Gabriele Münter

Porträt Mimmi Sundbeck

Details

Das Werk wird in das von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung herausgegebene Werkverzeichnis der Gemälde von Gabriele Münter aufgenommen.

Ausstellung:
Gabriele Münter 1977-1962. Retrospektive, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München u.a., 1992/93, s/w Abb. S. 73;
Wilden. Expressionisme van Brücke en Der blaue Reiter, Museum de Fundatie, Zwolle 2016, S. 136.

Provenienz:
Atelier der Künstlerin;
Carl Leopold Sundbeck, Gut Arnäsholm, Boras, Schweden;
Nachlass Carl Leopold Sundbeck;
Privatsammlung, Schweden, seit 1996.

Beschreibung

Verso auf dem Keilrahmen bezeichnet „Gabriele Münter. 1916“ und „Fru Mimmi Sundbeck“.
Mit Vorliebe beobachtet und zeichnet Gabriele Münter die Menschen ihrer Umgebung schon seit ihrer Kindheit. Rückblickend schreibt sie 1952: „Als ich 14 Jahre alt war, zeichnete ich in der Sommerfrische die Köpfe der Kurgäste ab, und die Erwachsenen fanden diese Konterfeis so treffend, dass die sie mir gern entführten.“ (zit. nach: Ausst.-Kat. Lenbachhaus 2017, S. 100). Seitdem ist der Mensch als Motiv in ihrem umfangreichen Œuvre in zahlreichen Varianten und in allen von ihr verwendeten künstlerischen Techniken zu finden: in den ersten malerischen Versuchen, den frühen Fotografien ihrer Amerikareise 1898-1900, in Holz- und Linolschnitten. Münter malt im Laufe ihrer langen Karriere etwa 250 Porträts, davon rund vier Fünftel Frauenbildnisse. In den skandinavischen Jahren während des Ersten Weltkrieges sind es in erster Linie Porträtaufträge, mit denen sie ihre schwierige wirtschaftliche Lage ein wenig aufbessern kann. Hierzu zählt auch das Porträt Mimmi Sundbeck, das im Auftrag ihres Mannes Carl Leopold Sundbeck entsteht. Sind Münters Porträts vor 1914 noch von kräftiger expressiver Farbgebung, kurzen Pinselstrichen, dunklen Einfassungslinien und deutlichen Einflüsse von Matisse gekennzeichnet, so zeigt die skandinavische Phase durchweg kühlere und gedämpftere Farbtöne. Die traditionelle Pose Mimmi Sundbecks, die an Bürgerporträts um 1900 erinnert, wird Münter wohl auf Wunsch des Auftraggebers gewählt haben. Malerisch aber ist sie keineswegs rückwärts gewandt: In der Behandlung des Gesichts, der Blumen und des Hintergrunds scheinen bereits zarte neusachliche Tendenzen durch, während der reduzierte Komplementärkontrast des üppigen dunkelroten Kleides und des dunkelgrünen Vorhangs dem Bildnis emotionale Wärme und Halt gibt. Der Blaukontrast der Vase und des Hutbandes mit den blauweißen Blumen lockert die harmonische Komposition zudem ein wenig auf und verleiht ihr Leichtigkeit und Frische.