Alexej von Jawlensky

Stillleben mit Serviette

Details

Jawlensky/Pieroni-Jawlensky/Jawlensky 154; Weiler 709.

Literatur:
Schenk, Rolf/Franke-Schenk, Catherine (Hrsg.), Hundert Jahre mit der Kunst: 1913 bis 2013, München 2013, Bd. II, Kat.-Nr. 11, mit ganzs. farb. Abb. S. 89.

Ausstellung:
Alexej Jawlensky, Kunstverein Erfurt u.a. 1922;
Alexej Jawlensky, Kunstverein, Frankfurt/Kunstverein Hamburg 1967, Kat.-Nr. 111, mit ganzs. Abb.;
Horizont Jawlensky – Alexej von Jawlensky im Spiegel seiner künstlerischen Begegnungen 1900-1924, Museum Wiesbaden 2014, Kat.-Nr. 42, farb. Abb. S. 145.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath (1947);
Galerie Alex Vömel, Düsseldorf (1958);
Crane Kalman Gallery, London;
O’Hana Gallery, London;
Sotheby’s, London 6.12.1961, Los 185;
Stuttgarter Kunstkabinett, 1962, Los 172;
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

In den Jahren 1906 und 1907 setzt sich Jawlensky intensiv mit der Kunst Paul Cézannes (1839–1906) auseinander. Durch die französische Kunst der Fauves und durch van Gogh hatte er in den Jahren zuvor zur Farbe gefunden. Nun aber erkennt er, „dass es nicht allein das schwärmerische Verteilen von Farbe auf der Leinwand sein durfte, um ein Kunstwerk nur aus einem inneren Gefühl heraus zu schaffen, sondern dass ganz wesentlich zur Wirkung eines Bildes ein sofort erkennbarer, durch und durch sachlicher Gestaltungswille gehört“ (Wiesbaden 2014, S. 41). Durch Cézannes Arbeiten erhalten Jawlenskys Werke eine stärkere bildliche Strenge. So baut das „Stillleben mit Serviette“ auf ein klares Linienraster auf, das von den horizontalen Falten der Stoffserviette und der unteren Tischkante sowie den vertikalen Linien der linken Tischkante und den unteren Falten des Tischtuchs gebildet werden. Jawlensky nähert sich in seinem Stillleben stark dem älteren Kollegen an. Wie auch Cézanne platziert er in einer großzügigen Anordnung wenige Gegenstände vor einem neutralen, in kurzen Pinselstrichen ausgeführten Hintergrund. Auch die angedeutete Tischkante und die reduzierte blaugrüne Farbigkeit, aufgehellt von den Komplementärfarben Orange und Gelb, erinnern an den Meister. Sowohl Cézanne als auch Jawlensky spielen in ihren Stillleben mit verschiedener Stofflichkeit: Obst mit samtiger Haut, gestärkte Servietten und Behälter mit harter Oberfläche – hier ein Krug, dort eine Vase. Was die beiden Künstler jedoch klar unterscheidet, sind die Volumen der Gegenstände. Während bei Cézanne jeder Apfel ein eigenes, volles Gewicht zu haben scheint, fließen die Objekte bei Jawlensky mehr ineinander, bleiben verbunden und bilden gemeinsam ein Gefüge. So scheint sich der Steinkrug fast zwischen blauer Tischdecke und heller Serviette aufzulösen. Statt einer Aufstellung oder Aufreihung von Gegenständen entsteht hier ein harmonisches Miteinander.