Egon Schiele

Sitzender Frauenakt mit rotem Haar, vorgebeugt

Details

Jane Kallir hat das Blatt im Original begutachtet und die Echtheit bestätigt. Sie wird das Werk mit der Nummer D.299a in den Nachtrag ihres Werkverzeichnisses aufnehmen.

Literatur:
Vgl. Jane Kallir, Egon Schiele, The complete works, New York 1998, D298 (Danae) und D299 (Back View of a Seated Female Nude with Black Hair, Bending), P148 (Danae).

Provenienz:
Sammlung „JS“, verso mit dem Stempel (nicht bei Lugt) und handschriftlich bezeichnet „Nr. 83“ und „83“;
Privatsammlung, Wien.

Beschreibung

1909 schafft Egon Schiele deutlich weniger Gemälde als üblich, jedoch werden diese sehr viel genauer und großformatiger ausgeführt. Infolgedessen wendet er mehr Zeit für Zeichnungen auf oder überarbeitet Gemälde, mit denen er noch unzufrieden ist. Der sitzende Frauenakt stellt eindeutig eine intensive Auseinandersetzung mit der Bildkomposition des im selben Jahr entstandenen Gemäldes „Danae“ (Kallir, P148) dar. Seine Arbeiten verlieren zwar ein wenig an Spontanität, gewinnen jedoch an Detailliertheit in der Suche nach einem ganzheitlichen Ansatz. Beeinflusst von seinem Künstlerkollegen Gustav Klimt, dessen Werke 1908 in der „Kunstschau“ zu sehen waren, beginnt auch Schiele mit Pigmenten und Blattmetallen zu arbeiten. Schiele kann sich jedoch – ganz im Gegensatz zu dem schon sehr erfolgreichen Klimt – kein echtes Gold und Silber leisten, weshalb er auf Aluminium und Kupfer zurückgreifen muss. Der Farbauftrag wird glatter und weniger „aufgewühlt“ und die Kontur wird ruhiger und bedeutender. Er führt das lockige Haar in Rot, das Blatt in Kupfer aus und entscheidet sich, beeinflusst vom Wiener Secessionismus, für ein fast quadratisches Format. Im Werkverzeichnis finden sich noch zwei weitere Zeichnungen, die in Auseinandersetzung mit dem Bildthema der Danae betrachtet werden können. In der einen legt er den Fokus auf die Proportionen und behilft sich dabei mit einem Nummerngitter, in der anderen sind die Haare in schwarzer Tusche erfasst und das Blatt an der Hand in Bleistift. – Leicht lichtrandig, sonst gut.