Emil Nolde

Anemonen in Violett, Rot und Blau

Details

Mit einer schriftlichen Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 30.3.2017. Die Arbeit ist in seinem Archiv unter der Nummer „Nolde A – 13/2017“ registriert.

Provenienz:
Galerie Günther Franke, München, 1956 vom Vorbesitzer dort erworben, mit Kaufquittung in Kopie; Privatbesitz, Bayern, durch Erbfolge an den heutigen Besitzer.

Beschreibung

„Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an… die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie …“ Emil Nolde
Emil Nolde, Meister des virtuosen, leuchtenden Aquarells, wendet sich um 1918 erstmals reinen Blumenmotiven zu, die von nun an fast vier Jahrzehnte sein künstlerisches Schaffen prägen und bis heute einen Großteil seiner Popularität ausmachen. Die Vielzahl dieser Aquarelle zeugt von Noldes nie versiegender Liebe zu seinem Garten und dessen mannigfaltiger Blumenwelt. 1926 kauft der Maler nicht weit von seinem nordfriesischen Geburtsort entfernt eine Warft, die er „Seebüll“ nennt und auf der er in den folgenden Jahren nach eigenen Entwürfen ein Atelier- und Wohnhaus baut. Auf dem bis dahin nur aus Grasland bestehenden Grundstück legt Nolde gemeinsam mit seiner Frau Ada einen Bauerngarten an, die Wege des dazugehörigen Staudengartens bilden ihrer beider Initialen: A und E. Während Noldes Ölgemälde in der Regel im Atelier entstehen, malt er die Aquarelle inmitten der überquellenden Blumenpracht des Gartens. Dabei steht für Nolde nicht die detaillierte botanisch-wissenschaftliche Beobachtung im Vordergrund, sondern allein die Freude an farbintensiven Kompositionen voller Strahlkraft und Lebensenergie. Die verschiedensten Blumensorten bleiben stets erkennbar, auch wenn er die Formen vereinfacht darstellt. Das Blatt mit den Anemonen zählt zu den späten Blumenaquarellen, die Nolde in seinen letzten Lebensjahren malt. Vor einem hellen Hintergrund leuchten die Anemonen in ihren charakteristischen Farben Violett, Rot und Blau, deren Schattierungen die Zartheit der Blütenblätter unterstreichen. Der Garten des Malers ist heute Teil des Museums der „Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde“ und zieht jährlich unzählige Besucher an. – Schwach geblichen, vereinzelte winzige Braunfleckchen in den Randbereichen, an den oberen Blattecken mit minimalen Knickspuren, dort verso montiert, insgesamt in guter Erhaltung.