Paul Klee

„Bildnis in der Laube“

Details

Klee-Stiftung 5123.

Ausstellung:
Paul Klee, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Verbindung mit der Galerie Alfred Flechtheim, Düsseldorf 1931, Kat.-Nr. 222;
Paul Klee, The Mayor Gallery, London 1935, Kat.-Nr. 5;
Painters of the Bauhaus, Marlborough Fine Art, London 1962, Kat.-Nr. 136, mit Abb.;
Paul Klee, Marlborough Fine Art, London 1966, Kat.-Nr. 37;
Paul Klee: A retrospective exhibition, Saidenberg Gallery, New York 1969, Kat.-Nr. 34, mit Abb.

Provenienz:
Alfred Flechtheim, Düsseldorf/Berlin (bis 1930);
Daniel-Henry Kahnweiler, Paris;
The Mayor Gallery, London (1935);
Marlborough Fine Art, London (1969);
Saidenberg Gallery, New York (ab 1969);
Galerie Athénée, Triesenberg;
Marlborough Fine Art, New York (1989);
Christie’s, Auktion 2312, New York 5.5.2010, Los 229.

Beschreibung

„Bildnis in der Laube“ entsteht im letzten Jahr von Klees zehnjähriger Anstellung als Lehrmeister am Bauhaus. Hier zeichnet sich schon eine stilistische Idee ab, die er in seinen zwei Jahren an der Düsseldorfer Malschule ab 1931 weiterentwickeln wird: Er bringt jetzt kleinteilige Farbflecken ein, die seinen sogenannten pointillistischer Stil ankündigen. In dem vorliegenden Blatt setzt er noch Tupfen in Weiß, Rot, Gelb und Rosa ein. In den späteren Werken werden diese Flecken zu winzigen Rechtecken, ähnlich Mosaiken, die er in feinen farblichen Schattierungen einsetzt.
Auf den ersten Blick wirken die Formen dieser Papierarbeit frei, wie dahingeworfen. Doch dahinter steckt Struktur, Balance und ein strenges System. Bei näherer Betrachtung verengen und verkleinern sich die Farbpunkte nach oben hin. Sie wirken wie Blasen, die zur blauen Oberfläche zu sprudeln scheinen. Diese hochstrebende Bewegung wird noch verstärkt durch das schwarze Dreieck, das den Hintergrund zum Porträt bildet und dessen Spitze in die Höhe ragt. Dieses Streben nach höheren Sphären, nach geistigen Höhen und etwas Sublimen, bleibt charakteristisch für Klees Werk. Immer wieder zeigt er Leitern, die bestiegen, Berge, die erklommen, Sonnen, die erreicht werden müssen: Der Künstler muss unaufhaltsam nach dem Höheren streben. So lässt sich diese Arbeit auch als Selbstporträt des Künstlers sehen, mit dem für ihn längere Zeit typischen Kinnbart und der hohen Stirn.
Gleichzeitig lässt der Titel vermuten, dass sich die abgebildete Person in einer Laube befindet, umrankt von weißen Blüten, geschützt in der Heimlichkeit des Gartenbaus, der vor Sonne und Regen abschirmen soll. Aus diesem geschützten Raum blickt der Porträtierte den Betrachter an, emotionslos, aber unverhohlen. Die Titel von Klees Werken, die er selber Unterschriften nennt, sieht der Künstler nur als Vorschläge zum Verständnis des Bildes – die Betrachter sollen das Werk so aufnehmen, wie sie es selber empfinden. Klee sagte schon 1920 über sich und seine Werke: „Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.“ So bleibt auch dieses Aquarell offen für freie und persönliche Interpretationen.
Klee war ein Pionier in der Auslotung der verschiedenen bildtechnischen Möglichkeiten. Die Fotografie war schon längst erfunden. Um dagegenzuhalten, entwickelte Klee ständig neue Techniken und baute seine Werke häufig in vielfältigen Schichten auf. So hat er auch hier das Papier zuerst mit Kleister grundiert und dann die Aquarellfarben aufgebracht. Die Absetzung des Motivs durch einfarbig bemalte Ränder erlauben ihm, den Bildern einen eigenen Rahmen zu setzen. Auch hier zeigt sich das Bestreben des Künstlers, trotz der lockeren Ausführung und dem spontanen Pinselstrich der geschwungenen Linien eine klare Struktur zu schaffen.
Klee, von seinen Kollegen liebevoll der Bauhaus-Buddha genannt, hat hier eine vieldeutige und charakteristisch tiefsinnige Arbeit geschaffen. – Ränder minimal unregelmäßig und teils mit kleinen Läsuren. Kaum merklich fleckig (stockfleckig). Unter dem Passepartout kaum merklich gebräunt. Verso Reste alter Montierung, Zollstempel und minimal fleckig. Sonst schön und in farbfrischer Erhaltung.