Gabriele Münter

„Tauwetter im Dorf“ (Murnau)

Details

Eine Bestätigung der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München, von Dr. Isabelle Jansen vom 2.5.2016 liegt vor. Das Werk wird in das von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Gemälde aufgenommen.

Literatur:
Kat. München, Galerie Gunzenhauser, 1987–1988, S. 24/25 mit Abb.

Ausstellung:
Gabriele Münter, Werke aus fünf Jahrzehnten: Kunstverein/Braunschweig, Kunsthalle/Bremen, Galerie Völmel/Düsseldorf, Suermondt-Museum/Aaachen, Kaiser-Wilhelm-Museum/Krefeld, Märkisches Museum/Witten/Ruhr, Unversitäts-Museum/Marburg, Kunstverein/Frankfurt/Main, Kunstverein/Karlsruhe, Kunstverein/Freiburg i. Br., Museum Folkwang/Essen, Kestner-Gesellschaft/Hannover, Städtischer Ausstellungsraum/Bochum und Städtische Galerie/Oberhausen, 1949–1952, Kat.-Nr. 55;
Gabriele Münter 1877-1962: Retrospektive: Städtische Galerie im Lenbachhaus/München, Schirn Kunsthalle/Frankfurt/Main, Liljevalchs Konsthall/Stockholm, und Staatliche Kunsthalle/Berlin, 1992–1993, Kat.-Nr. 236, mit ganzs. farb. Abb.;
Gabriele Münter malt Murnau: Gemälde 1908–1960, Schlossmuseum/Murnau und August-Macke-Haus/Bonn, 1996–1997, S. 66f., mit ganzs. farb. Abb.

Provenienz:
Nachlass der Künstlerin, verso mit dem Nachlassstempel und der teils gestempelten Nachlassnummer „L (= Landschaft) 207“ auf einem Etikett;
Sammlung Frankonia Versicherung, München (laut Ausstellungskatalog 1992–1993);
Privatsammlung, Süddeutschland;
Grisebach, Auktion 105, Berlin 30.11.2002, Los 257.

Beschreibung

Das Bild stellt die Weggabelung an der Sollerstraße nördlich des Schlossbergs in Murnau dar. Münter platziert das charakteristische gelbe Haus in den Mittelpunkt und lässt den Vordergrund mit der Straßenabzweigung steil zum Betrachter hin abfallen. Genau diese Ansicht hatte die Künstlerin schon 1910, also zur Blauen-Reiter-Zeit, gemalt. Das frühere Bild war noch von Figuren belebt und mit leichter Hand gespachtelt. In dieser späteren Version bleiben die Straßen menschenleer. Münter konzentriert sich nun sich auf die Vereinfachung der Formen bis zum Geometrischen: Die schmelzenden Schneehaufen und der Tannenbaum im Hintergrund werden zu Dreiecken, die sich in den Giebeln der Häuser wiederholen und sich gegen die rechteckigen Formen der Häuser und ihrer Fenster absetzten. Eine Straße schlängelt sich ovalförmig um die Häuser und aus dem Bild hinaus. Die leergefegten Straßen, die das untere Drittel des Bildes einnehmen, sowie die kühlen Farben geben diesem Bild eine fast geheimnisumwitterte Aura. Im Katalog der großen Münter-Ausstellung 1992 wird „Tauwetter im Dorf“ beschrieben als „beispielhaft für den expressionistischen Stil, mit dem Münter nach dem Zweiten Weltkrieg zu ihren bereits klassisch gewordenen Anfängen zurückfindet.“
Die Künstlerin malt das Motiv gleich mehrmals; so entsteht am 18. Januar 1948 – und damit am selben Tag – noch eine Version, eine dritte malt sie im Februar 1948. Zu ihrer seriellen Malweise schreibt Münter 1941 in ihr Tagebuch: „Es gibt Motive, die packen einen u. man will sie wieder packen (…) So möchte ich das gleich nochmal fressen, wie es da steht in hell u. sauber – aus dem Chaos eine Ordnung machen. Synthese. Variationen spielen.“ (Zit. aus Gabriele Münter: Malen ohne Umschweife, Ausst.-Kat., München 2017, S. 56).