Details

Provenienz:
Galerie Bruno Meissner, Zürich;
Kunsthandlung Norbert Nusser, München;
Privatbesitz, Norddeutschland.

Beschreibung

Kaum jemals wieder hat Johann Nepomuk Ender ein Aquarell von solcher Anmut geschaffen: Drei Pilgerinnen machen eine Rast auf dem Weg nach St. Peter, das im Hintergrund als Ziel ihrer Reise schemenhaft sichtbar wird. Es ist ein romantisches Motiv, doch wie Ender es mit Sentiment und Grazie erfüllt, ist Biedermeier im besten Sinne. Der Wiener Ender, bekannt für seine galanten Aquarellbildnisse der Wiener Biedermeier-Gesellschaft, steht mit am Beginn jener Entwicklung des Wiener Aquarells, dessen künstlerische Sonderstellung in der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts man momentan in einer ansprechenden Ausstellung in der Albertina in Wien studieren kann.
Ender hatte 1818/19 Graf Stephan Széchényi auf eine Expedition nach Griechenland und in die Türkei begleitet; 1820 war er nach Italien gekommen, wo er in Rom vor allem die Werke Raffaels studierte, aber auch zahlreiche Skizzen und Studien machte, die später die Grundlage für seine Ölbilder und Aquarelle bildeten. Es muss offen bleiben, ob Enders pittoreskes Aquarell dreier rastender Pilgerinnen in ihren traditionellen Trachten – sie stammen wohl aus Albano – noch in Italien entstanden ist, doch spricht einiges dafür, in ihm eine wehmütige Erinnerung an den zurückliegenden Aufenthalt in Italien zu sehen: In dem Aquarell spiegelt sich ein ganzer römischer Kosmos – die drei Pilgerinnen in ihren bunten Kleidern rasten vor der Kulisse von St. Peter – profane und sakrale Sujets sind gleichsam vereint, die als Reminiszenz des Vergangenen erscheinen. Dass Ender sich mit besonderem Interesse auf seinem Blatt den drei Pilgerinnen aus Albano widmet, liegt auch an seiner besonderen Begabung als Aquarellist, denn die bunte Farbigkeit ihrer Gewänder bot ihm Gelegenheit, sein Können als Kolorist unter Beweis zu stellen. – Von hervorragender und farbfrischer Erhaltung.