Hughie O’donoghue

„Niobid, Ossaia + Sanguineto Study III“

Details

Provenienz:
Galerie Karl Pfefferle, München, verso auf dem Keilrahmen mit dem Etikett;
Privatsammlung, München.

Beschreibung

Als Sohn irischer Eltern wird O´Donoghue in Manchester geboren, verbringt einen großen Teil seiner Kindheit aber im elterlichen Haus der Mutter im Westen Irlands. Die dort gefundenen Familiendokumente, Fotos und alten Briefe faszinieren O´Donoghue als Teil seiner eigenen Geschichte schon in frühen Jahren. Neben der Auseinandersetzung mit geschichtlichen und mythologischen Themen sind es vor allem existenzielle Fragen nach Identität und individueller Erlebnisbewältigung, die das gesamte Werk des Künstlers prägen. In vielen seiner Arbeiten bezieht er sich auch auf die Kriegserlebnisse seines Vaters in Frankreich und Italien im Zweiten Weltkrieg. Der Bildtitel „Niobid, Ossaia + Sanguineto Study III“ scheint zunächst auf antike mythologische Motive und Schauplätze zu verweisen: In den Metamorphosen Ovids werden die 14 Niobiden als Kinder der stolzen Niobe in einem grausamen Racheakt durch die Pfeile des Apollon und Artemis getötet; Ossaia und Sanguineto stehen historisch als „Ort der Knochen“ und „Ort des Blutbades“ für jene Schauplätze am Rande des Trasimenischen Sees, an dem Hannibal auf grausame Art und Weise seinen triumphalen Sieg über das römische Heer errang. Die überwiegend dunkle Farbpalette des Gemäldes nimmt die düstere Stimmung von Vergeltung und Blutvergießen auf. O´Donoghue, häufig auf der Leinwand im Wechselspiel zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion jonglierend, begnügt sich hier mit der reinen Andeutung der Formen. Wie in einem unbändigen Wirbelsturm, in der linken Bildhälfte dominiert von Schwarz- und Grautönen, in der rechten Bildhälfte von blutroten Schattierungen, türmen sich wolkige Farbschichten übereinander auf. Nur das hell leuchtende Zentrum der bewegten Komposition vermag sich den dunklen Wolken zu widersetzen und besteht wie ein loderndes Feuer in der Dunkelheit. Der sorgfältige Farbauftrag verleiht dem Gemälde dabei seine besondere Präsenz und erinnert an den Stil der Alten Meister. Schon in den 1990er Jahren hatte O´Donoghue die Orte in Italien besucht, an denen sein Vater Kriegsfotos aufgenommen hatte. Auf dieser Spurensuche begegnet der Künstler auch den Zeugnissen der antiken Mythologie. In seinen Gemälden gelingt ihm die Verbindung beider Welten – Innenwelt und der Geschichte. Beides vereint er zu einem tief emotionalen Bild urmenschlicher Erfahrung. Hughie O´Donoghues Werk wurde 1997 erstmalig in Deutschland im Haus der Kunst mit der Solo-Ausstellung „Via crucis“ gezeigt.