Franz Erhard Walther

Körperskulptur gelb

Details

Provenienz:
Galerie Waßermann, München;
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

„Kunst an sich, als Manifestation von Freiheit, von Kreativität in Bezug auf den Menschen ist hochpolitisch, nicht parteipolitisch. Aber Kunst in einem freien, allein ästhetischen Raum gab es für mich nie, auch in der Geschichte nicht.“ Franz Erhard Walther anläßlich der Verleihung des Goldenen Löwen 2017 in Venedig.

Bevor Franz Erhard Walther in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet wurde, galt er eher als „Artist´s artist“, also als jemand, der in der Kunstszene einen bedeutenden Einfluss hat, einem breiten Publikum aber eher unbekannt ist. Das hat sich nun schlagartig geändert und das außergewöhnliche Werk des unterdessen
77-jährigen Performance-Künstlers, der 30 Jahre lang an der Akademie in Hamburg lehrte und John Bock, Jonathan Meese und Rebecca Horn zu seinen Schülern zählt, wird international mit Ausstellungen gefeiert.
Als Walther Anfang der 1960er Jahre in Düsseldorf studiert, ist die Kunstakademie unter dem Übervater Joseph Beuys ein riesiges Experimentierfeld in Sachen „erweiterter Kunstbegriff“. Damals schafft Walther erste Objekte aus Stoff wie „Stirnstück“, einem Kissen an der Wand, das dazu einlädt, dort, wo sonst ein Bild hängt, die Stirn anzulehnen. Über die Jahre entwickeln sich daraus Textilskulpturen als „Schreit- und Standstücke“, „Körperskulpturen“ und raumgreifende „Wandformationen“, wobei der Moment der Handlung immer Teil der Arbeit ist und die Handlung selbst auch Werkcharakter bekommt. Die Interaktion mit dem Betrachter wird so zum wesentlichen Bestandteil des Werks, wobei für Franz Erhard Walther, „der reale und imaginierte Gebrauch die gleiche Wirkung hat“. Tatsächlich bestechen die mit Holz bzw. Pappe verstärkten textilen Wandarbeiten in leuchtendem Gelb und warmen Rot- und Grüntönen auch ohne die Handlung durch ihre formale Präzision, Eigenlogik und überwältigende Ästhetik.
Begleitet wurden die sogenannten Werksätze bzw. -serien von ungeheuer präzise ausgearbeiteten Werkzeichnungen und Diagrammen, die als Wegweiser dienen, wie man sich den Textilskulpturen nähern kann. – Ca. 1,5 cm langer Riss unten mittig im Mantel, sonst gut erhalten.