Rupprecht Geiger

„799/98 (Frühes Rot b/98)“

Details

Geiger 782.

Provenienz:
Privatsammlung, Süddeutschland.

Beschreibung

„Ich glaube, daß der Farbe etwas Irrationales anhaftet. Etwas, das in seiner Wirkung nicht verstandesgemäß erfaßbar ist. Sie vermag sich durch äußere Einwirkungen, unter veränderten Bedingungen zu wandeln, ihren Charakter zu wechseln. Sie kann geradezu Licht ausstrahlen, sie gibt Licht wieder, ist ein Widerschein des Lichtes, das aus dem Dunklen kommt und nun – durch das Medium der Farbe – in gesteigerter Funktion auftritt.“
Geiger formuliert so in einem Interview 1963 die faszinierende Wirkung der Farbe, die für ihn die treibende Kraft und das Wesentliche seiner kreativen Arbeit ist. Seine Farbwelt gründet in der intensiven Erfahrung der Farben des Himmels und des Sonnenlichts über kriegszerstörten und menschenentleerten Landschaften während seines Einsatzes als Kriegsmaler in Russland. Um die Objektivität der Farbe wahrnehmbar zu machen und die Ausdruckskraft der Farbe richtig zur Wirkung zu bringen, bedient er sich archetypischer Bildformen, wie der des Kreises oder Rechtecks und isoliert die reine Farbe vom Gegenstand, sodass die Kraft der Farbe unbeeinflusst hervortreten kann.
So auch in „799/98 (Frühes Rot b/98)“, in der ein heller, weißer Kreis in der rechten oberen Ecke schwebt und im Dialog steht mit einem gelben Rechteck, welches die gesamte untere linke Ecke des Bildes einnimmt. Beide Elemente ruhen in einem sanft modulierten „frühroten“ Farbverlauf. Geiger schafft in dieser Arbeit eine Harmonie von Farben, Formen und Proportionen. Alles scheint in sich zu ruhen und an dem für sich vorgesehenen Platz zu sein, gleichzeitig strahlt die Komposition eine geballte Energie aus, das gleißende Licht der Sonne wirkt intensiv auf unsere Sinne.