Lovis Corinth

Blick auf den Walchensee

Details

Mit einer Fotoexpertise von Hans-Jürgen Imiela, Mainz, vom 25.10.1990.

Provenienz:
Galerie Schwarzer, Düsseldorf;
Privatsammlung, München.

Beschreibung

Lovis Corinth hält in seinem Spätwerk eine Vielzahl von Ansichten des Walchensees fest. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der damit verbundene Zusammenbruch des Kaiserreichs erschüttert Corinths politische und künstlerische Überzeugungen und so zieht er sich mehr und mehr vom Berliner Großstadtleben zurück. 1919 erwirbt er ein Grundstück in Urfeld am Walchensee, auf dem seine Frau Charlotte Berend ihm ein Haus baut. Der Familiensitz wird zum Rückzugsort des Künstlers und es entstehen dort vor allem Landschaftsbilder, Porträts und Stillleben. Seine Werke des Walchensees stießen auf viele Bewunderer, sodass er wirtschaftlich damit sehr erfolgreich war. Er selbst äußerte sich dazu: „(…) niemals mehr verkauft als gerade nach dem Zusammenbruch. Es wurden einem förmlich die Bilder von der Staffelei gerissen, und niemals blühten die Ausstellungen im ganzen Deutschland mehr denn jetzt.“ (aus: Lovis Corinth, Selbstbiographie, Leipzig 1926, S. 176).
Laut Imiela entsteht die vorliegende Arbeit oberhalb der Terrasse des Familienanwesens in Hanglage. Die drei nebeneinanderstehenden Bäume kommen gelegentlich auch auf Gemälden dieser Zeit vor. Corinth führt die Komposition mit viel Schwarz aus und gibt hier nur einen kleinen Blick auf die in Rosatönen gehaltenen Berge frei. Mit zarten Blautönen, teils mit Weiß aufgehellt, skizziert er den Himmel und die Wasserfläche des Sees. In schwungvollem expressiven Pinselduktus hält Corinth die geliebte Gegend in wohl frühmorgentlicher Stimmung mit den steil abfallenden Hängen zum See hin fest, die nun seine neue Heimat geworden ist und bis zu seinem Tod zum größten Teil bleiben wird. – Im Passepartoutausschnitt kaum merklich gebräunt. Oberrand und linker Rand minimal unregelmäßig. Oberrand mit kaum merklichen Knickspuren. Verso Reste alter Montage. Sonst in schöner Erhaltung.