Christian Rohlfs

Alttestamentarische Szene

Details

Mit einer Fotoexpertise von Prof. Paul Vogt, Essen, vom 23.4.2001 (in Kopie). Das Werk wird in den Nachtrag zum Werkverzeichnis der Gemälde unter der Nummer CR 275/01 aufgenommen.

Literatur:
Verzeichnis der Sammlung des Rechtsanwalts Johannes Geller in Neuss. Mit einem Nachwort von August Hoff. München, Privatdruck 1934, S. 13, Nr. 99, mit Abb.

Provenienz:
Ehemals Johannes Geller, Neuss.

Beschreibung

Professor Vogt schreibt in seiner Expertise zu dem Werk: „Christian Rohlfs hat sich während des Weltkriegs bis zum Beginn der 20er Jahre intensiv mit Themen des ihm von Jugend auf vertrauten Alten und Neuen Testaments beschäftigt. Sie sind nicht immer sofort zu identifizieren, da er sie, seinen jeweiligen persönlichen Empfindungen entsprechend, auf expressive Weise bildnerisch umformt und ausdeutete.“
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges führt zu einer Schaffenskrise des Künstlers. Er schreibt an einen Freund: „Die Zeitereignisse sind so ungeheuer, dass sie alles erdrücken.“ Erst 1915 nimmt er die Arbeit wieder auf. Nun tritt das Motiv der Landschaft in den Hintergrund. Stattdessen konzentriert er sich überwiegend auf eine figürliche Malerei. Inspiration findet er vor allen Dingen in der Bibel. Dabei sind die Gemälde weder Illustrationen noch direkte Stellungnahme zum aktuellen Zeitgeschehen, sondern eher „Selbstgespräche eines Einsamen, (…) Ausdruck einer gütigen Menschlichkeit.“ (Paul Vogt in: Christian Rohlfs, Œuvre-Katalog der Gemälde, S. 18). Seine Farbpalette reduziert sich auf wenige, tragende Töne. Die Figuren verlieren an Körperlichkeit, die Betonung liegt auf Haltung und Gebärde, in vereinfachten Formen führen sie große Gesten aus. In dem vorliegenden Gemälde bestimmt die kauernde Form den rechten Bildteil. Sie besteht hauptsächlich aus einem gebeugten Rücken und einem Oberschenkel. Die linke Bildhälfte hingegen wird von zwei aufrechten Figuren gebildet, die fast die Leinwand zu sprengen scheinen. Durch die einfarbigen Gewänder, die keinen Körper erkennen lassen, und die relativ kleinen Köpfe erhalten die Stehenden eine fast bedrohliche Monumentalität. Hier geht es um Stärke und Hilflosigkeit, Macht und Schwäche.