Friedrich von Amerling

Italienerin mit Spinnrocken

Details

Literatur:
Günther Probszt: Friedrich von Amerling. Der Altmeister der Wiener Porträtmalerei, Zürich 1927, Nr. 645 (als „Chiaruccia mit Spinnrocken“).

Ausstellung:
Friedrich von Amerling 1803-1887, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Wien, hrsg. von Sabine Grabner, Wien/Leipzig 2003, S. 232 f., Nr. 77, Farbabb.

Provenienz:
Ludwig Landsberg (1805-1858), Rom;
Galerie Neumeister, München (1953);
Dr. Georg Schäfer (1896-1975), Schweinfurt;
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Neben dem Erlebnis der Landschaft in Italien – vornehmlich der römischen Campagna – war die Begegnung mit der dortigen Landbevölkerung für die deutschen Romantiker eine weitere Erfahrung von entscheidender künstlerischer Bedeutung. Berühmt sind die zahlreichen Porträts der aus Albano stammenden Vittoria Caldoni, die vielen Malern der ersten Generation wie Friedrich Overbeck oder Julius Schnorr von Carolsfeld Modell stand und die nicht selten nicht nur bei den Malern erotische Fantasien weckte. An diese Bildnisse der „schönen Italienerin“ knüpft auch Friedrich von Amerling an, der im Oktober 1845 eine Italienreise angetreten hatte, unter deren Eindruck die „Chiaruccia“ mit Spinnrocken entstand. Sie ist eine Hommage an die zeitlose Schönheit der italienischen Frau und speziell an die Landfrauen aus Albano – sie sind erkennbar an der scharlachroten Jacke mit verzierten Achselbändern sowie dem aufgesteckten Kopftuch -, doch hat sie bei Amerling wohl auch einen persönlichen Hintergrund: Im August 1846, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Rom, machte Amerling der Tochter Emilie des Spinnereifabrikanten Leopold Lang einen Heiratsantrag. Ihre herbe, fast südländisch wirkende Schönheit könnte hinter Amerlings Bildnis stehen, doch war sein Liebeswerben vergeblich – die Ehe kam nicht zustande.