Auguste Renoir

Maison à Montmartre, Tête de Garconnet, Fillettes

Details

Dieses Bild wurde von François Daulte bestätigt und hätte in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis Renoir, Tome II (Les Figures 1891-1905) aufgenommen werden sollen. Daulte verstarb vor der Veröffentlichung.

Literatur:
L’Atelier de Renoir, Bernheim-Jeune Editeurs, Paris, 1931, Bd. I, Nr. 62, Abb. Tafel 25.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
Pierre Renoir, Paris;
Sammlung Robert von Hirsch, Basel;
Sotheby´s, Auktion London 26.6.1978, Los 722;
Privatsammlung, Norddeutschland.

Beschreibung

François Daulte schreibt in seinem Gutachten, dass es sich bei der links abgebildeten Figur um Mademoiselle Pauline Alexis, eine der beiden Töchter des französischen Schriftstellers Paul Alexis, handelt. Die Familien Alexis und Renoir waren Nachbarn im Château des brouillards, rue Girardon, in Montmartre. Renoir bildet das Mädchen wiederholt in seinen Gemälden ab, so auch in „La Promenade“ von 1890 (Daulte 627).
Diese verschiedenen Studien von Figuren mit einer Ansicht von Montmartre, entstanden 1893, zeigen die neue Richtung, die Renoir mit seiner Kunst in den 1890er Jahren einschlägt. Angeregt von zahlreichen Reisen, auf denen er die Werke der Alten Meister in den Museen von London, Madrid und Dresden besucht, verändert sich seine Farbpalette. Statt der kühlen Töne der vorhergehenden Jahre setzt er jetzt warme Farben ein, Pastelltöne mit viel Gelb und Rot dominieren. Die Figuren werden nun durch parallel gesetzte Pinselstriche in feinen Farbabstufungen modelliert, der Pinselstrich wirkt luftig und weich. Hier zeigen sich die Einflüsse von Jean-Honoré Fragonard sowie Peter Paul Rubens.
Hüte hatten eine besondere Bedeutung für Renoir. So sagte die Malerin Suzanne Valadon, die ihm in den 1880er Jahren häufig Modell stand: „Renoir liebte Frauenhüte. Er hat mir Stapel von ihnen auf meinen Kopf gesetzt … er hat nie aufgehört, viele Hüte zu kaufen.“ Auch in der vorliegenden Arbeit erfasst Renoir zwei Köpfe im Profil mit Hüten. Dabei handelt es sich hier um einen einfachen, nur mit einem schwarzen Band verzierten Strohhut, einmal in den Nacken geschoben, einmal kokett etwas schräg aufgesetzt. Renoir hat in dieser Zeit ganze Leinwände nur mit behüteten Köpfen gefüllt, siehe z.B „Têtes de fillettes“, Daulte 638, und „Études de têtes“ aus den 1890ern, heute in der Barnes Foundation, Philadelphia.