Details

Provenienz:
Privatbesitz, Süddeutschland.

Beschreibung

Der Blick des Betrachters fällt auf eine von schroffen, markanten Felsformationen überragte Schlucht, die in eine langgezogene Flussebene übergeht. Im Hintergrund wird diese von sanft ansteigenden Bergen umschlossen, die ans Himmelsfirmament stoßen. Einige Wolken tummeln sich im ansonsten tiefblauen Himmel, der in der Farbe des Flusses seine Entsprechung findet, sonst aber mit der erdigen, im Sonnenlicht rotbraun aufscheinenden Farbigkeit des kargen Terrains im Kontrast steht. Das morgendliche Licht, der weite Horizont und die intensive Farbigkeit zeichnen das Bild einer Landschaft, die gleichermaßen endlos und zeitlos ist.
Es handelt sich wahrscheinlich um die Darstellung einer bisher topographisch nicht identifizierten Ebene in Griechenland, die aber nicht von Carl Rottmann stammt, sondern von dessen jüngerem Bruder Leopold. Leopold, der bisher als Maler pittoresker Alpenlandschaften bekannt ist, bedient sich hier aber des Bildrepertoires seines älteren Bruders in einer großartigen künstlerischen Qualität, die dessen Werken in nichts nachsteht.
Carl Rottmann inszenierte seine griechischen Landschaften als Zeugen großer geschichtlicher Ereignisse, machte sie zu einer Kontemplation über die einstige Größe des antiken Griechenland, das nur noch den urwüchsigen Kräften der Natur ausgesetzt ist. So auch Leopold, auf dessen Gemälde sich einzelne Baumgruppen in einer felsigen, unfruchtbaren Landschaft behaupten, die von der Zivilisation aber weitgehend verlassen ist. In der Ferne über dem Fluss scheinen einzelne Gehöfte im Sonnenlicht auf, die verlassen sind; einzig am rechten Bildrand nähert sich eine Frau in Begleitung eines Kindes der Quelle in der Schlucht. Über ihr ragen zerklüftete Felsen als Monumente einer grandiosen Natur im aufsteigenden Morgenlicht auf, von dem auch die Ebene erfasst wird. Das Licht ist stimmungsvolles Symbol der Hoffnung; es ist die romantisch-melancholische Verklärung eines Landes, das von der Geschichte verlassen wurde.