Details

Provenienz:
Privatbesitz, Schweiz.

Beschreibung

Götzloffs kleine, pittoreske Ölstudie zeigt den oberhalb vom Kloster Sant‘ Agnello aufgenommenen Blick auf das an einer spektakulären Steilküste gelegene Sorrent mit der Bergkulisse des Monte Faito im Hintergrund. Die Ansicht gehört zu den kanonischen Blicken auf Sorrent, dessen unberührte Schönheit erst nach 1800 für die Kunst entdeckt worden war: „Völlig abgeschieden von der Welt, ist die Hochebene von Sorrent vielleicht der reichste und reizendste Garten unseres Welttheils“, schrieb noch 1840 der Künstler Carl Ludwig Frommel von einer Faszination, die bis heute ungebrochen fortbesteht. Zahlreiche Künstler hatten diesen Blick in ihrem Repertoire, unter ihnen der Hamburger Johann Joachim Faber, mit dem Götzloff Neapel und den Golf von Sorrent erstmals im Sommer 1823 besucht hatte. Dessen 1822 entstandene großformatige Ansicht von Sorrent wurde Götzloff gleichsam zur „Blaupause“, der das Motiv in einer Vielzahl von Varianten umsetzte – seinem Künstlerkollegen Friedrich Preller zufolge sollen es nicht weniger als 46 Versionen gewesen sein. Für dieses Motiv müssen bei Götzloff vor allem von Reisenden zahllose Bestellungen eingegangen sein. Er hatte sich 1825 endgültig in Neapel niedergelassen, wo er rasch zu einem der gefragtesten Landschaftsveduten- und Genremaler aufstieg. Diese beiden Komponenten verbinden sich auch auf dem vorliegenden Gemälde, auf dem sich auf einer Brüstung zwei Geistliche ausruhen, zu denen sich ein Kind mit seiner Mutter gesellt, während rechts ein Landmann zu Tal reitet. Die liebevolle, genaue Schilderung der ländlichen Bevölkerung geschieht vor der imposanten Kulisse des Golfs von Sorrent, der gleichsam aus dem Dunst des Morgenlichts aufzusteigen scheint. Es ist der touristische Blick auf eine kleine heile Welt, die für den Reisenden auch zu Hause die sentimentale Sehnsucht nach dem Land, „wo die Zitronen blühn“, wachhält.