Otto Dix

Freuden des Sommers.

Details

Löffler 1941/10.

Ausstellung:
Kunstwochen Tübingen-Reutlingen, Kunstgebäude Tübingen, 1946, Kat.-Nr. 59;
„Otto Dix. Gemälde und Graphik von 1912 bis 1957“, Deutsche Akademie der Künste, Berlin, und Staatliche Kunstsammlungen, Dresden 1957, Kat.-Nr. 46;
„Otto Dix. Blick auf die Natur“, Fischer Kunsthandel & Edition, Berlin 18.10.2013-10.1.2014, mit ganzs. Abb.

Provenienz:
Privatsammlung B. Hemmenhofen, Süddeutschland (verso mit dem hs. Aufkleber);
Grisebach, Auktion 155, Berlin 30.5.2008, Los 54;
dort erworben vom jetzigen Besitzer.

Beschreibung

Unter dem Nationalsozialismus erhält Dix ein Ausstellungs- und Lehrverbot. Die damit verbundene Unmöglichkeit des öffentlichen Wirkens führt ab den 1930er Jahren dazu, dass Dix sich verstärkt der Landschaft zuwendet. Dabei handelt es sich nicht nur eine motivische Flucht vor der politischen Realität, sondern auch um einen stilistischen Rückzug zu den Altmeistern. So zeigen diese Arbeiten einen starken Einfluss Brueghels sowie der Donauschule um Albrecht Altdorfer. 1936 zieht der Künstler mit seiner Familie in ein Haus in Hemmenhofen am Bodensee mit Blick auf das Schweizer Ufer. Die Landschaft in dieser Region wird, wie auch schon zuvor die Sächsische Schweiz bei Dresden, zu einer wichtigen Inspirationsquelle für den Künstler. Hierbei geht es ihm nicht um die genaue Wiedergabe des Gesehenen, sondern um die Erschaffung einer Ideallandschaft. In einem Brief an seinen Malerfreund Ernst Bursche beschreibt Dix seine Vorgehensweise wie folgt: „Ich mache hauptsächlich Landschaften, viele Studien von Bäumen und Häusern, damit ich unabhängig bin vom Motiv und frei, Landschaften zu erfinden. Es ist selten, dass man Motive findet, die man unverändert für ein Gemälde benutzen kann. Man muss viele Überlappungen und Kontraste schaffen, damit ein Gemälde lebendig wird. (…) Am Ende ist das Wesentliche der künstlerische Ausdruck, nicht die naturgetreue Darstellung.“ Auch bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich nicht um eine reale Landschaft, sondern um eine inszenierte Ansicht. Wie auch die anderen nur scheinbar harmlosen Etüden der Landschaften um den Bodensee lässt sich dieses Werk als versteckter Kommentar auf das aktuelle Zeitgeschehen verstehen. Auf den ersten Blick zeigt das Gemälde „Freuden des Sommers“ einen idyllischen Sommertag. Der Blick des Betrachters wird zuerst auf das im hellen Sonnenlicht liegende Dorf mit hochragender Kirchturmspitze im Hintergrund gelenkt. Ein voll beladener Heuwagen zieht Richtung Dorf. Hier wird also ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit herbeibeschworen in einem Moment, in dem der Krieg in Deutschland tobt. Der größere Teil des Bildes aber wird von einem Waldsee eingenommen. In ihm herrscht eitles Treiben: Drei nackte Figuren planschen im Wasser, ein Angler sitzt im tiefen Schatten der Bäume. Links am Bildrand steht ein Paar eng umschlungen, kaum auszumachen im dunklen, dichten Gebüsch. Somit versteckt der Maler kindliche und sinnliche Freuden in den dunklen, waldigen Bereichen: Das Glück spielt sich im Verborgenen ab. Gerade in einer Zeit, geprägt von der staatlichen Überwachung, zeigt Dix hier private, unschuldige Momente, die es zu schützen gilt.