Georg Tappert

Weibliches Doppelbildnis.

Details

Wietek 185, dort fälschlicherweise mit der Angabe „bez. Rs. G. Tappert“.

Ausstellung:
„Georg Tappert. Gemälde – Graphik“, Buch-Kunst Axel Juncker, Berlin 20.9.-20.10.1918;
„Georg Tappert. Gemälde“, Kunstamt Wedding, Berlin 27.9.-8.11.1973;
„Georg Tappert. Wiederentdeckung eines Expressionisten“, BAT Haus, Hamburg 14.4.-3.6.1977;
„Georg Tappert – Das Vermächtnis“, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Kloster Cismar, 11.6.-22.10.1995, Kat.-Nr. 39, mit farb. Abb. S. 102;
„Georg Tappert. Deutscher Expressionist“, Schloss Cappenberg, Kreis Unna, 14.5.-20.8,2006, Beiheft mit farb. Abb.

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
Privatsammlung, Norddeutschland;
Ketterer, Auktion 400, 8.12.2012, Los 63;
Privatbesitz, New York.

Beschreibung

Verso mit einem Stillleben mit Blumenstrauß in einer Vase und Zitronen, in Öl ausgeführt und wohl aus seiner Worpsweder Zeit (1906-1909).
1915 wird Tappert zum Militär einberufen, zuerst zur Inspektion der Fliegertruppe nach Adlershof bei Berlin. Schon im August 1916 folgt die Versetzung in die Zentralabteilung nach Berlin. Diese Rückkehr in seine Vaterstadt erlaubt ihm eine halb zivile Tätigkeit mit einer größeren zeitlichen Freiheit. Tappert, der sich beruflich in den Vorkriegsjahren mehr auf seine Lehrtätigkeit an verschiedenen Kunstschulen konzentrierte, kann sich nun verstärkt seiner eigenen künstlerischen Arbeit widmen. Porträts spielen jetzt eine wichtige Rolle. Dabei bildet Tappert nicht mehr nur Typen aus einem Milieu ab, sondern versucht jetzt, das Individuelle der Person wiederzugeben. Auch bei dem vorliegenden Doppelporträt ist ein erlebter und unverwechselbarer Mensch gemeint. Wohl stellt Tappert die individuellen Gesichtszüge übersteigert dar, doch handelt es sich hier um eine bestimmte – wenn auch unbekannte – Frau mit spitzem Kinn und langer Nase. Gleichzeitig bleibt Tappert seinem bevorzugten Thema der Vorkriegszeit, der Welt der Varietés und der Bordelle, treu: Das grob angebrachte Rouge auf den Wangen, die rot leuchtenden Lippen und die durchsichtige Bluse, durch die die Brust schimmert, lassen auf eine Prostituierte schließen. Das individuelle Porträt tendiert wiederum durch die Steigerung der Farbe, so auch in den Grüntönen der Haut, und der überspitzten Charakterisierung der Physiognomie zu einem Typus: Diese Frau wird zu einem Prototyp der Berliner Gesellschaft der Kriegsjahre, einer Welt, die von politischem Umsturz, geistiger Revolution und wilder Vergnügungssucht geprägt war.