Karel Borchaert Voet

Früchtestillleben mit Ananas, Weintrauben, Aloe vera und

Details

Wir danken Fred Meijer, RKD, Den Haag, für die Identifizierung des Künstlers.
Provenienz:
Aus süddeutschem Adelsbesitz.

Beschreibung

Fred Meijer hat das Gemälde auf Grundlage eines digitalen Fotos dem Dordrechter Maler Karel Borchaert Voet zugeschrieben (Email vom 12.2.2016). Nur wenige Gemälde und Zeichnungen konnten bislang für das Oeuvre des Künstlers nachgewiesen werden. Exotische Früchte, Pflanzen und Blumenstillleben gehörten zu seinen bevorzugten Sujets. Wahl und malerische Behandlung der Bildmotive haben ihren Ursprung in naturwissenschaftlich versierten Darstellungen von Fauna und Flora, die schon in den Gemälden von Ambrosius Bosschaert d. Ä. anzutreffen sind. 1735 gab Voet in der Nachfolge von Sibylla Maria Merians „Verwandlung der Surinamischen Insekten“ einen Prachtband über Insekten heraus.
Vorliegendes Stillleben mit exotischen Pflanzen verdankt seine geheimnisvolle Schönheit zum Teil dem Streiflicht des dämmernden Abends, das die Ananas und den farbigen Blütenstand von Aloe vera und Kapuzinerkresse zusammen mit den hellen Flügeln der Kohlweißlinge vor einem bereits dunklen Hintergrund stark aufleuchten lässt. Die Konzentration auf einige wenige Motive trägt ganz wesentlich zur Steigerung der Wirkung des Gemäldes bei. Die Komposition ist sorgfältig austariert: so entspricht dem diagonal angeordneten Stängel der Aloe vera die Kapuzinerkresse unten rechts, der links unten angeordneten rot-orange changierenden Blüte ist der Blütenkopf der Erythrina zugeordnet. Licht und Schatten betonen einzelne Aspekte der Pflanzen und gewichten das Gesamtbild nach einzelnen malerischen Teilformen.
Meijer vermutet, dass vorliegendes Gemälde identisch mit dem zweiten Bild eines Loses ist, das in einem Auktionskatalog vom 21.-22.5.1799 (J.L.H. Wassenaar van Ruyven, Den Haag, Bosboom), unter der Nr. 42/43 als „een stuk met Anenas druiven (…)“ aufgelistet ist (https://rkd.nl/explore/excerpts/597164). Zwar weichen die Maße des Bildes geringfügig ab, dies kann aber daran liegen, dass man das Gemälde damals innerhalb des Rahmenausschnitts ausgemessen hatte.