Details

Niggl 64/30.

Ausstellung:
„Uwe Lausen. Heimrad Prem“, Galerie Klaus Lea, München 1979;
„Uwe Lausen, Bilder, Zeichnungen, Texte 1960-1970“, Städische Galerie im Lenbachhaus, München 1984, Kat.-Nr. 25, Abb. S. 70;
„The Perpetual Dialogue“, Andrea Rosen Gallery, New York 2009/2010;
„Uwe Lausen. Ende schön alles schön“, Schirn Kunsthalle, Frankfurt 2010, Museum Villa Stuck, München 2010, Sammlung Falckenberg, Hamburg 2011, Kat.-Nr. 7, Abb. S. 33.

Provenienz:
Galerie Klaus Lea, München;
Wolgang Rabl, München;
Galerie Klaus Lea, München;
Sammlung Walter und Charlotte Bareis, München/New York;
Galerie Michael Haas, Berlin;
Privatsammlung, Norddeutschland.

Beschreibung

Ab 1963 beginnt in Uwe Lausens Werk eine neue, experimentelle Phase der Malerei. Zuvor vom informell figurativen Stil der Künstlergruppe SPUR geprägt, sucht Lausen nun nach neuen Vorbildern. Charakteristisch für diese Phase ist vor allem die bewusste Adaption der Formensprache einzelner Künstler, die er bewundert oder denen er persönlich begegnet. Häufig auch stellt er provokant zwei künstlerische Positionen im Bild direkt gegenüber. Die Arbeit „Ohne Titel“ aus dem Jahr 1964 führt dem Betrachter diese Vorgehensweise exemplarisch vor: Ein massiges, fleischiges Gebilde bestimmt einnehmend das Zentrum des Bildes und wird zur Rechten und Linken flankiert von organisch anmutenden, vertikal angeordneten Fortsätzen, die sich anzudrängen scheinen. Wie eine klaffende Wunde überzieht ein leuchtend roter Farbverlauf die Mittelachse der Mittelfigur, „Blutspritzer“ und rötliche Verfärbungen verteilen sich auf ihrer Oberfläche. Der Hintergrund wird bestimmt durch breite dunkelgrüne Balken, die von zwei leuchtend türkisfarbenen Streifen durchzogen werden. In einem undefinierten Zustand zwischen Schweben und Aufstützen blickt uns die fleischige Figur im Vordergrund aus einem runden, grünlich strukturierten Kopfgebilde auf dem halslosen Körper entgegen. Unweigerlich erinnert der Körperklumpen in seiner fleischigen Verzerrtheit und gelblichen Farbigkeit an die Bildwelt Francis Bacons. 1964 begegnet Lausen dem britischen Künstler in der Galerie Friedrich und Dahlem in München. Wenige Monate nach ihrer Gründung im Juli 1963 widmet die Galerie im April 1964 Uwe Lausen eine Einzelausstellung. Noch im gleichen Jahr werden in der Ausstellung „Britische Malerei der Gegenwart“ auch die Arbeiten Francis Bacons gezeigt. Lausens Bewunderung für den expressiven Malstil des Briten offenbart sich eindrucksvoll in diesem Gemälde. Doch Lausens Experiment geht weit über das reine Zitat hinaus, indem er diesem geschickt eine konträre malerische Position gegenüberstellt. In dieser Werkphase begegnet uns die Auseinandersetzung mit den ornamentalen Bildstrukturen Friedensreich Hundertwasser häufiger: hier scheint es, als würde Lausen sich der Bildsprache des Österreichers bedienen, um in einer Art rankendem Netzwerk aus grün-türkisen Adern die klobigen Körperbrocken zu verbinden und einer Ordnung zu unterwerfen. Der Formensprache Hundertwassers verpflichtet, nehmen die vielen kleinen ornamentalen und filigranen bunten Ergänzungen der Gesamtkomposition ihre Schwere und Bedrohlichkeit. Dennoch – Lausens Arbeit rückt niemals in die Nähe des Dekorativen, Unbekümmerten. Lausen gelingt es vielmehr, in der Konfrontation zweier vermeintlich ambivalenter künstlerischer Positionen eine ganz eigene, spannungsgeladene Bildwelt zu schaffen.