Details

Woll 628 I 2 (von III).

Ausstellung:
„Schwarz auf Weiß. Druck-Graphik im Wandel der Zeit von Rembrandt bis Dieter Roth“, Stiftung Ahlers Pro Arte/Kestner Pro Arte, Hannover 28.9.2013-5.1.2014, mit Abb., S. 27.

Provenienz:
Sammlung Dr. Kurt Wünsche, Zwickau (bis 1966);
Privatsammlung, Norddeutschland (seit 1966);
Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen;
Ahlers Collection;
Privatsammlung, Norddeutschland.

Beschreibung

Schon ab 1899 widmete sich Munch dem Thema der Mädchen auf der Brücke. Bis 1902 entstand eine Reihe von Gemälden, 1905 dann ein Holzschnitt, der die Szene spiegelverkehrt wiedergibt. Dreizehn Jahre später greift Munch das Motiv wieder auf, diesmal mit drei statt zwei Figuren. Nun verdichten sich die Schnitte im Holz: Der Himmel wird jetzt in engen, parallel gesetzten Linien dargestellt. Durch die diagonal verlaufenden Aussparungen der Straße entsteht ein Gefühl der Schnelligkeit und Bewegung auf einen Punkt mittig am linken Rand zu. In Gegensatz dazu steht die große, ruhige Fläche der Baumkrone im Hintergrund, der sich jetzt klarer im Wasser spiegelt.
Trotz der expressionistischen Interpretation gibt die Szene einen realen und klar erkennbaren Ort am
Åsgårdstrand am Fjord von Oslo wieder. Die drei Lindenbäume, deren Kronen zu einem Grün zusammengewachsen sind, der weiße Holzzaun, der das alte Grundstück mit dem weißen Haus umgibt, die Straße, die nach der Brücke ansteigt, und das eigentliche Brückengeländer mit seinen Eisenstangen sind noch heute dort zu finden. Munch wendet sich von der pittoresken Hafenansicht auf der anderen Seite der Brücke ab, um sich mit der gegensätzlichen Struktur der Gebäude und Natur, von den Mädchen betrachtet, auseinander zu setzen. Dieses sorgsam ausgewählte Motiv sollte ihn bis ins hohe Alter beschäftigen. – Unter dem ehemaligen Passepartout kaum merklich nachgedunkelt. Allgemein in sehr gutem Zustand.