Herbert Ploberger

Stillleben Interieur.

Details

Provenienz:
Privatbesitz, Salzburg (dort vom jetzigen Besitzer erworben); Privatsammlung, Hessen.

Beschreibung

Herbert Plobergers künstlerische Laufbahn ist von Beginn an international ausgelegt. 1902 in Wels/Oberösterreich geboren, übersiedelt er, nach seinem Studium in Wien und Paris, 1927 nach Berlin. Als einziger Österreicher beteiligte er sich dort an einer der bedeutendsten Ausstellungen zur Neuen Sachlichkeit in der Galerie Neumann-Nierendorf. Er wird von den Kritikern hochgelobt und seine Werke werden in den wichtigsten Zeitschriften, wie etwa „Kunstwart“, „Cicerone“ und „Profil“, neben den deutschen Protagonisten dieser Kunstrichtung besprochen. Ploberger pflegte jedoch noch enge Kontakte zu seiner Heimat und wurde außerordentliches Mitglied der Künstlergruppe MAERZ. 1929 findet im Landesmuseum in Linz die erste Ausstellung zum Thema der Neuen Sachlichkeit in Österreich statt. Sie zeigt 26 Arbeiten des Künstlers. Im selben Jahr werden seine Werke in der großen Ausstellung der Neuen Sachlichkeit im Stedelijk Museum in Amsterdam gezeigt, die erste bedeutende Präsentation dieser Kunstrichtung außerhalb Deutschlands. Trotz des Erfolges entscheidet sich Ploberger nach dem Zweiten Weltkrieg als Kostüm- und Bühnenbildner bei Theater und Film zu arbeiten. Darum existiert leider nur ein überschaubares Œuvre des herausragenden Künstlers. Das hier abgebildete „Stillleben Interieur“ ist das zweite Gemälde, das bis dato am Auktionsmarkt zur Versteigerung gelangt. Das erste „Stillleben auf dem Tisch und unter dem Tisch“ von 1925 stammte aus dem Besitz der Galerie Berinson, die einen großen Teil des Künstlernachlasses aufgearbeitet hat. Dieses frühere Stillleben ist vollgeladen mit Utensilien, wirkt chaotisch überfüllt und zeichnet sich durch eine intensive Buntfarbigkeit aus. In den späteren Stillleben reduziert Ploberger seine Farbpalette hin zu kühleren und harmonischeren Farben, zu denen das hier abgebildete zählt. Auch unterscheiden sie sich durch die extreme Nahsichtigkeit. Im Gegensatz zu „Stillleben auf dem Tisch und unter dem Tisch“, das eine gesamte Szene wiedergibt, wird in dem „Stillleben Interieur“ nur ein Ausschnitt, ein Teil des Tisches gezeigt, der perspektivisch nach vorne gekippt wird und worauf nur wenige Objekte drapiert werden und beinahe vom Tisch rutschen. Der Stuhl, auf dem sich ein Tuch, eine Zitrone und eine fast leere Rotweinflasche befindet, der also Teil des Stilllebens ist, wird so positioniert, dass er sich fast in einer Ebene mit dem Tisch findet. Typisch für die Malerei der Neuen Sachlichkeit ist, dass der Farbauftrag kaum Pinselspuren aufweist und die einzelnen Objekte durch klare Konturierung für sich stehen. Die Formen zeichnen sich durch große Klarheit und Festigkeit aus und erhalten durch Schatten eine gewisse Plastizität. Auf die Lichtquelle, die den Raum ausleuchtet, wird durch den Schatten eines Fensterkreuzes hingewiesen, dessen geometrische Struktur sich im Muster der Tischdecke wiederfindet. Durch die Reduktion und Andeutung von Dingen, die sich im Raum befinden, und durch den perspektivisch eigenwilligen Bildaufbau erzeugt er bei dem Betrachter eine Spannung, da er seine Wahrnehmung über den Bildausschnitt hinaus erweitern muss.