Details

Ausstellung:
„George Grosz: Die Berliner Jahre. Zeichnungen und Aquarelle“, BAWAG Foundation Wien, 2.3.-18.4.1992; International Cultural Centre Krakau, 24.6.-9.8.1992; Städtische Galerie Rosenheim, 29.1-7.3.1993; Museum Moderner Kunst Passau, 13.6-29.8.1993; Josef Albers Museum/Quadrat Bottrop, 5.9.-12.12.1993; Musée-Galerie de la Seita Paris, 19.9.-25.11.1995, Kat.-Nr. 8;
„George Grosz: Berlin – New York“, Neue Nationalgalerie Berlin, 21.12.1994-17.4.1995, S. 319, mit Abb. (dort im Vergleich zu dem Ölgemälde „Café“ von 1916, Abb. IX.5);
„George Grosz – Deutschland, ein Wintermärchen: Aquarelle, Zeichnungen, Collagen 1908-1958“, Max Ernst Museum Brühl des LVR, 11.9.-18.12.2011; Stiftung Ahlers Pro Arte/Kestner Pro Arte Hannover, 17.2.-17.6.2012, Kat.-Nr. 13, S. 68, mit ganzs. Farbabb.;
„George Grosz‘ Berlin: Prostitutes, Politicians and Profiteers“, Richard Nagy Ltd. London, 25.9.-2.11.2013, Kat.-Nr. 7, mit ganzs. Farbabb. und S. 167 mit Abb.

Provenienz:
Serge Sabarsky Gallery, New York;
Richard Nagy Ltd., London, verso auf der Rahmenrückwand mit dem Etikett (dort vom Vorbesitzer 2010 erworben);
Ahlers Collection;
Privatsammlung, Norddeutschland.

Beschreibung

Diese Zeichnung entstand als Vorlage für das Ölgemälde „Café“, im selben Jahr 1915, welches sich im Hirshhorn Museum in Washington, D.C. befindet. Zwischen 1914 und 1917 entstehen Kaffeehausszenen, in denen Grosz ein Stück Zeitgeschichte einfängt. Er liebt es, seine Umgebung zu beobachten und gesellschaftliche Alltagsszenen mit einem gewissen Sarkasmus darzustellen. Um das Gewimmel in dem Kaffee möglichst eindrücklich zu vermitteln, erzeugt er eine Art filmische Bewegung bzw. simultane Aktivität. Er misst dem Vorder- und Hintergrund dieselbe Bedeutung zu, indem er den Hintergrund sozusagen nach vorne kippt. Als Betrachter erfährt man demnach eine doppelte Perspektive, sowohl von oben in die Bildmitte hinein als auch von unten durch den ganzen Raum hindurch. Diese Sichtweise verleiht der Zeichnung nicht nur ein Gefühl konfuser Unmittelbarkeit, sondern reflektiert auch Grosz‘ persönlichen Blick auf Berlin zu dieser Zeit. Zum einen war er ein regelmäßiger Besucher der Berliner Nachtcafés und –lokale, zum anderen ein gesellschaftsfeindlicher, vom Krieg gekennzeichneter Flüchtling, der die Menschheit von den Dächern Berlins aus seinem Studio beobachtete. – Vereinzelt kaum sichtbare, winzige Einrisse. Ecken mit winzigen Reißnagellöchlein und kleine Fleckchen im unteren Bereich, sonst altersgemäß in sehr schönem Zustand.