Gustav Adolf Hahn

Venedig, am Campo de l’Abazia.

Beschreibung

Zunächst als Architekt in Dresden tätig, wendet sich Hahn um 1850 der Architekturmalerei zu. Neben Domen, Klöstern und Burgen seiner Heimat stellt er auch Motive aus Rom oder, wie hier, aus Venedig dar. Dabei hat er hier nicht eines der häufig dargestellten, viel besuchten Motive gewählt, sondern einen ruhigen Ort im Viertel Cannaregio. Dargestellt ist das Eingangsportal der Corte Nova am Campo de l’Abazia, gesehen vom Rio della Sensa aus. Über dem Portal befindet sich das Relief der Schutzmantelmadonna aus dem 14. Jahrhundert, das ursprünglich für den Sitz der Bruderschaft Scuola Grande di Santa Maria di Misericordia geschaffen wurde. Dem mittelalterlichen Kunstwerk stellt er das zeitgenössische Venedig in Gestalt zweier junger, malerisch gekleideter Frauen und eines Fischers entgegen, die sich auf den Stufen des Portals in einer entspannten Unterhaltung befinden. Die „Italianità“ des Ganzen steigert der Künstler durch eine Bilderfindung: Durch den Türsturz fällt der Blick auf eine weinberankte Terrasse, hinter der sich ein Panorama öffnet, wie wir es vom Golf von Neapel kennen. So schafft er eine Projektionsfläche für die Italiensehnsucht seiner Zeit, die detailgenaue Schilderung mit phantasievoller Interpretation zu einem ganz eigenen Stimmungsbild verbindet.