Details

Provenienz:
Aus dem Nachlass des Künstlers Alois Erdtelt, München (1851-1911); Privatbesitz, Niedersachsen.

Beschreibung

Nächtliche Landschaften sind ein Motiv, für das Nerly eine besondere Vorliebe hegte. Ihr geheimnisvolles Potential kommt in dieser frühen Komposition besonders ausdrucksvoll zum Tragen: Der Friedhof im Vordergrund liegt in tiefem Dunkel. Der Mond, durch den Baum in der Bildmitte fast vollständig verborgen, erleuchtet vereinzelte Grabplatten und fällt auf die Gitterstäbe des Tors eines umfriedeten Grundstücks, vor dem ein Wächter schlafend sitzt. Eine zweite, rötliche Lichtquelle befindet sich in dem Schrein am linken Bildrand, kaum erkennbar kauert davor die Silhouette eines betenden Mönchs. Hinter dieser Schattenzone erstreckt sich im Mittelgrund eine weite, vom Mond hell erleuchtete Küstenlandschaft, die zur überglänzten Wasserfläche des Meers führt: eine Erlösungsvision, die – ebenso wie das Motiv des Friedhofs – bereits in den Gemälden Caspar David Friedrichs eine wichtige Rolle spielt. Wie diese Erlösung erreicht werden kann, macht Nerly durch die mit einem Kreuz bekrönte Säule deutlich; sie steht für den christlichen Glauben und markiert den Übergang vom dunklen, der Vergänglichkeit gewidmeten zum erleuchteten Raum. Mit seiner Nähe zur Symbolsprache der Dresdner Romantik nimmt dieses Gemälde aus Nerlys früher italienischer Periode eine herausragende Stellung in seinem Werk ein.