Details

Löffler 1955/10.
Ausstellung:
„Otto Dix: Gemälde und Graphik von 1912 – 1957“, Deutsche Akademie der Künste, Berlin 12.4.-31.5.1957, und Staatliche Kunsthalle Dresden, Kat.-Nr. 102;
„Otto Dix“, Kunst- und Museumsverein Wuppertal und Städtisches Museum, Wuppertal 3.2.1957-10.3.1957, Kat.-Nr. 54, verso mit dem Ausstellungaufkleber des Städtischen Museums Wuppertal-Elberfeld;
„Marbuger Künstlerkreis zeigt: Otto Dix“, Marburger Künstlerkreis, Marburg 22.6.-17.7.1958, Kat.-Nr. 2.
Provenienz:
Privatbesitz, Düren (vom Vorbesitzer direkt beim Künstler erworben);
Lempertz, Auktion 979, Köln 31.5.2011, Los 284;
Privatbesitz, Schweiz.

Beschreibung

1949 entdeckt Otto Dix den Hahn als Motiv für seine Malerei. In diesem Jahr allein malt er fünf Werke mit Hähnen, einzeln oder in der Gruppe abgebildet. 1955 greift er das Thema wieder auf: es entstehen zwei Gemälde mit „Hahn und Katze“. In der vorliegenden, ausgereiften zweiten Version setzt Dix die Komposition in eine winterliche Landschaft. Zehn Jahre später wird die letzte Fassung der Hahnenbilder folgen. An diesem Themenkreis kann man die Entwicklung Dix’scher Kunst Ende der 1940er Jahre besonders gut erfassen. So werden seine Pinselstriche zunehmend pastoser, seine Farbpalette hellt sich auf, die gesamte Komposition wirkt lockerer und leichter.
1947 sagt Dix in einem Interview in der ostdeutschen Zeitschrift „Tägliche Rundschau“, dass für ihn „intensiver Ausdruck alles bedeutet“. In der Suche nach diesem Ausdruck beschäftigt sich Dix in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt mit religiösen Motiven und Themen. So ist auch dem Hahn eine religiöse Symbolik zuzuordnen: Er ist im Christentum vor allen Dingen Symbol für Wachsamkeit und Treue, der den Christen daran erinnern soll, sich vor dem Bösen in Acht zu nehmen. Das Böse nimmt in diesem Gemälde die Form einer schwarzweißen Katze an. Die Katze galt im Christentum schon seit dem Mittelalter als heidnisches Tier, dessen Eigenschaften als Todsünden galten. So wurde der Tagschlaf der Katzen mit Faulheit assoziiert, währen das laute Paarungsverhalten als Zeichen der Wollust galt. Hier steht der Hahn, prächtig, mit aufgestelltem purpurroten Kamm, und kräht mit aufgeplusterten Federn die Katze auf dem Baum an. Das Gesicht der Katze mit den riesigen Augenhöhlen wirkt fast wie ein Totenkopf, aus dem zwei gelbe Lichter glühen. Der Farbigkeit des Gemäldes kommt dabei auch eine zentrale Rolle zu: die verschneite Landschaft ist in graublauen Tönen gehalten, der Baum mit der Katze links in Schwarzbraun. Nur der Hahn leuchtet und bildet den farblichen Mittelpunkt des Gemäldes. In der 1965/1966 entstandenen Lithographie (siehe Karsch 306/I und II) wird sich Dix nur noch auf die beiden Protagonisten konzentrieren, mit dem Baumstamm als zentrale Trennungslinie zwischen ihnen. Hier jedoch bilden der geschwungene Baumstamm mit seinem Ast, die Krone des kleinen Baums im Hintergrund, der rechte Schenkel des Hahns und die Seite des Misthaufens zusammen einen Kreis, der als Symbol der Endlosigkeit des Kampfs Gut gegen Böse verstanden werden kann.