Ernst Ludwig Kirchner

Mädchen mit Hut (Gerda).

Details

Dieses Werk ist im Ernst Ludwig Kirchner Archiv Wichtrach/Bern dokumentiert.
Ausstellung:
„Ernst Ludwig Kirchner- Handzeichnungen Sammlung G. F. Büchner“, Kunstamt Neukölln, Saalbau-Galerie, Berlin 12.9.-20.10.1968, Kat.-Nr. 7, mit Abb.
Provenienz:
Nachlass des Künstlers; Sammlung G. F. Büchner, Berlin; Galerie Bassenge, Auktion 82, Berlin, 29.11.2003, Los 6819; Privatsammlung, Deutschland.

Beschreibung

Die Zeichnung entstand um 1912, kurz nach Kirchners Umzug nach Berlin. Sie stellt ein ausgezeichnetes Beispiel für die erste Berliner Zeit dar, in der Kirchner seine weichere Linienführung zu Gunsten des härteren und kantigeren „Brücke“-Stils abgelegt. Porträtmalerei und der Akt des flüchtigen Skizzierens sowohl bei der Künstlergruppe „Brücke“, als auch bei dem Künstler selber eine enorme Bedeutung. So kann das Sujet „Frau mit Hut“, wie ein roter Faden durch die gesamte künstlerische Schaffensphase und in allen Gattungen des Künstlers verfolgt werden. In dieser Arbeit fing Kirchner mit Hilfe seiner stilistischen Abkürzungen den intimen Moment des meditierenden Innehaltens der jungen Dame ein, während sie mit viel Konzentration und Geduld Ihre Hutbekleidung zurecht zieht. Der Moment kann als vollkommene Huldigung der weiblichen Sinnlichkeit erfasst werden. Bei der Dargestellten handelt es sich um Gerda Schilling, die Kirchner zusammen mit ihrer Schwester Erna im Oktober 1911 in der Hauptstadt kennenlernte. Kirchner benutzte die beiden Frauen häufig als Modelle. Mit ihren vollen Lippen stand Gerda dabei für einen fraulich-lieblicheren Frauentypus, während ihre Schwester mit spitzem Kinn ein herberes, männlicheres Urbild verkörperte. – Im Randbereich leicht wellig und an den oberen Ecken schlagen alte Montagereste leicht durch, sonst altersgemäß in einem sehr schönen Zustand.