Alfons Walde

„Dorfsommer (Oberndorf i. Tirol)“.

Details

Village Summer in Tyrol. Oil on thin cardboard. 1938. C. 42.5 : 60.5 cm. Signed lower left. In the original artist’s frame, dated and inscribed with the title on the studiolabel on the reverse.

Beschreibung

Mit einer schriftlichen Echtheitsbestätigung von Prof. Dr. Gert Ammann, Völs/Österreich, vom 20.10.2010.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Alfons Walde in seine Heimat Kitzbühel zurückgekehrt und dort innerhalb weniger Jahre zum gefeierten Künstler aufgestiegen. Mit seiner ausgefeilten Maltechnik und der kraftvoll pastosen Palette, die vom Einfluss des Wiener Secessionismus und des Expressionismus der 1920er Jahre geprägt war, schaffte er Landschafts- und Genrestücke, die trotz einer starken Heimatverbundenheit nie süßlich oder gar verkitscht wirkten. Waldes Blick auf die Heimat war neuartig expressiv und zeigte ein modernes Pathos, der ihn bis weit über die Tiroler Landesgrenzen hinaus berühmt machen sollte. Im hellen Sommerlicht wird hier eine Dorfplatzkulisse arrangiert, die, eingerahmt von drei Bauernhäusern, nach hinten den Blick auf das Kitzbüheler Horn frei gibt. Gleich mehrere Bauern und Bäuerinnen stehen im Vordergrund, jedoch jeder für sich und ohne miteinander in Kontakt zu stehen. Ein faszinierend nuancenreiches Lichtspiel lässt die markanten Blau- und Schwarztöne der Trachten nebem dem intensiven Weiß der gemauerten Fassaden erstrahlen und die gespachtelten, teils direkt aus der Tube gedrückten Farben haptisch hervortreten. So inszeniert Walde einen von Architektur dominierten Landschaftsraum, in denen die Figuren als Statisten des modernen Sommeridylls fungieren. Aufgrund der großen Beliebtheit seiner Gemälde, vor allem bei den betuchteren Ski- und Bergtouristen der 1930er Jahre, fertigte Walde seine gefragtesten Motive und Figurenkompositionen teils mehrfach, in ähnlichen und auf den Wunsch des Auftraggebers abgestimmten Varianten. Der von ihm eigens für seine Gemälde entworfene Rahmen mit Hohlkehlenprofil sowie die Montage und rückseitige rote Grundierung des Malkartons sind hier in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben. Und gerade diese über Jahrzehnte bewahrte Originalität des Gemäldes gewährt einen faszinierenden Einblick in die Arbeits- und Schaffenswelt Waldes, der mit seinen Gemälden dem bis heute andauernden Mythos rund um die Kitzbüheler Bergwelten und ihrer Bewohner für immer ein Gesicht gegeben hat. – In sehr gutem Originalzustand.

Literatur: Gert Ammann, „Alfons Walde 1891-1958“, 5. Auflage, Innsbruck/Wien 2005.
Provenienz: Im Künstleratelier erworben, seither in Privatbesitz, Süddeutschland.