Ernst Ludwig Kirchner

Dodo und Fränzi im Atelier.

Details

Dodo and Fränzi in the studio. Black chalk on brownish paper. (1910). C. 32.5 : 42 cm. Verso with the Basel estate stamp (Lugt 1570 b). Framed.
Kirchner hat at this time developed a reduced, nearly stenographic way of drawing with which he could easily catch intimate and erotic subjects, transmitting his immediate feelings without being hampered by composition requirements or auto-censure. The drawing pre-empts the changes that were slowly to appear in Kirchner’s art in 1910: the curves of the breasts and the unidentifiable objects on the table remain soft and fluid, while the sharp contours of the shoulders and elbows of the two figures already show the hard, angular style reminiscent of woodcuts that was to become so typical for his later drawings.

Beschreibung

Kirchner zeichnet hier seine beiden bevorzugten Modelle aus der Zeit, seine Freundin Dodo sowie Fränzi, das Waisenkind, welches die Brücke-Künstler zusammen mit ihrer älteren Schwester Marcella in den letzten Dresdener Jahren „adoptiert“ hatten. Kirchner hatte zu dieser Zeit eine Art „Kurzschrift“ der Zeichnung entwickelt, in der er spontan und mit wenigen Strichen eine intime und erotische Szene darstellen konnte, ohne von einem Kompositionsanspruch oder einer eigenen inneren Zensur gehindert zu werden. Obwohl die langhaarige Fränzi mit dem spitzen Kinn sowie Dodo erkennbar bleiben, so handelt es sich hier doch nicht um Porträts, sondern eher um eine rasche Aufnahme einer Stimmung im Atelier. In starken, sicheren Strichen zeigt Kirchner, wie sich die Frau lächelnd zu dem jungen Mädchen wendet, das mit überkreuzten Beinen und gesenktem Blick unsicher da sitzt. Hier scheint ein intimer Dialog zwischen den Frauen stattzufinden. Im Stil deutet die Zeichnung den stilistischen Umbruch in der Kunst Kirchners an, der sich 1910 vollziehen sollte. So bleiben die Formen der Brüste oder der undefinierten Objekte auf dem Tisch noch weich. Doch in den spitzen Ellbogen und Schultern der Figuren kündigt sich schon der neue harte, kantige Stil an, der auch in den Zeichnungen holzschnitthafte Formen annehmen sollte.
Am unteren Rand mittig mit einem kurzen Einriss. Obere linke Ecke etwas knittrig. Am rechten und unteren Rand mit Spuren alter Montage. Verso mit Farbspuren. In allgemein sehr gutem Zustand.