30. Oktober 2020

Vorbericht zu Herbstauktionen für Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts | Den Menschen stets im Blick

 

PDF | Vorbericht zu Auktion 298
PDF | Fotoindex zu Highlights der Auktion 298

Bei der KARL & FABER Herbstauktion Alte Meister & 19. Jahrhundert kommen
hochkarätige Porträts und Gruppenbildnisse zum Aufruf

– KARL & FABER Kunstauktionen lädt am 14. November zur Auktion 298 ein. Den Bieter erwarten Meisterwerke verschiedener Epochen – ausgehend vom Giotto-Nachfolger Puccio di Simone über den Schlachtenmaler Sebastian Vranx bis hin zu Adolph Menzel, dem „Maler auf Papier
– Die Offerte der KARL & FABER Herbstauktion Alte Meister & 19. Jahrhundert umfasst
387 Lose mit exquisiten Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen sowie Druckgrafik großer Meister wie Albrecht Dürer, Rembrandt Harmenszoon van Rijn oder Giovanni Battista Piranesi
Die Vorbesichtigung ist vom 5. bis 13. November in den Räumen von KARL & FABER und bei einem virtuellen Panorama-Rundgang möglich. Die Saalauktion findet mit entsprechenden Schutzvorkehrungen statt. Zudem kann online, telefonisch oder schriftlich mitgeboten werden

Wie wichtig für uns menschliche Nähe, der direkte Blick auf den anderen ist, haben uns die vergangenen Wochen gelehrt. Erst die Begegnung des Ichs mit dem Du ermöglicht wahres Menschsein. Erkennen wir im anderen doch auch uns selbst. Eine Herausforderung, der sich Künstler über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gestellt haben. Gleichzeitig ist das Menschenbild geprägt von der jeweiligen Epoche. Das zeigt auch die Offerte der aktuellen Herbstauktion Alte Meister & 19. Jahrhundert von KARL & FABER.

So präsentiert uns Puccio di Simone mit seiner Thronenden Madonna mit Kind (Los 5), um 1360, ein
vermenschlichtes Jesuskind. Ein Säugling, der am Daumen lutschen will, während ihn seine Mutter Maria liebevoll davon abhält. Erst kurz zuvor führte Giotto di Bondone, Wegbereiter der italienischen Renaissance, diese natürliche und lebensnahe Darstellung religiöser Motive ein. Puccio erlernte sein Handwerk in der Werkstatt des Giotto-Schülers Bernardo Daddi. Schätzpreis: € 40.000/60.000.

Wozu Menschen leider auch immer wieder fähig sind, führt uns Sebastian Vrancx mit seiner Plünderung nach der Schlacht (Los 4, um 1625) vor Augen – realistisch und ohne zu heroisieren. Der flämische Künstler zeigt, wie die großen Kriege seiner Zeit die Menschen verrohen ließen. Gleichzeitig fasziniert es, wie der Begründer des Schlachtenbilds im Norden zahlreiche kleine Begebenheiten en détail schildert. Die einwandfrei erhaltene Holztafel wurde nach über 50 Jahren in einer norddeutschen Privatsammlung wiederentdeckt und kommt nun erstmalig zum Schätzpreis von € 40.000/60.000 auf den Markt.

Porträts von Adolph Menzel sind sehr selten, da er derartige Aufträge ablehnte. Eigentlich schade, wie das Los 237N, Karoline Arnold, spätere Freifrau Treusch von Buttlar-Brandenfels (1848), offenbart. Die Pastellkreidezeichnung ist eine der wenigen Ausnahmen, die der Meister des deutschen Realismus nur seiner Familie und guten Freunden zugestand. Umso eindrucksvoller das fast fotografische Ergebnis: Kaum ein Betrachter kann sich dem forschenden Blick Karolines entziehen. Die Bildnisse von ihren Geschwistern haben längst den Weg ins Museum gefunden. Taxe: € 60.000/80.000

Den Blick auf den souveränen Bürger lenkt das Bildnis eines jungen Mannes mit weißer Halskrause (Los 8), um 1620, Thomas de Keyser (zugeschrieben). Auch er schaut selbstbewusst auf den Betrachter, als wolle er ihn oder sie ansprechen. Vermutlich handelt es sich um ein bedeutendes Mitglied der Amsterdamer Gesellschaft im damals Goldenen Zeitalter der Niederlande. Den jungen Mann setzt der führende Porträtmaler der Stadt vor der Ankunft Rembrandts dort um 1630 nicht mehr nur höfisch repräsentativ, sondern natürlich und spontan wirkend in Szene. Schätzpreis: € 30.000/40.000.

Sein späterer Namensvetter Nicaise de Keyser wiederum porträtiert Rubens im Kreis seiner Mäzene und Familie (Los 106, 1842) geradezu huldigend, fast in barocker Pracht. Mit dem theatralisch inszenierten, farbenfrohen und harmonischen Gruppenbildnis blickt der zuvor als erfolgreicher Schlachtenmaler Gefeierte spätromantisch verklärt auf die flandrische Geschichte zurück. Taxe: € 16.000/20.000.

Ein anmutiges Damenporträt gelingt Johann Gottfried Schadow mit dem Bildnis der Konradine Luise
Johanssen
(Los 219). Eine Zeichnung, die um 1806 entstand. Der Bildhauer gilt als ein hervorragender Porträtist, ab 1800 kann er mit Bildnissen der Berliner Gesellschaft auch Geld verdienen. Die eleganten Konterfeis lassen kaum einen Unterschied zwischen höfischem und bürgerlichem Porträt erkennen. Schätzpreis: € 6.000/8.000.

Mit der Selbstkarikatur (Sammelbild mit neun Selbstbildnissen und eine Landschaft) (Los 81) überrascht uns Wilhelm Busch (1832 bis 1908). So ein neunfaches „Selfie“, wie es der Pionier des Comics hier liefert, muss man sich erst einmal trauen! Taxe: € 12.000/15.000. Neben diesem experimentellen Ausflug in die Selbstdarstellung kommen drei weitere Gemälde des Max-&-Moritz-Vaters (Lose 80 bis 83) sowie Zeichnungen und ein Aquarell zum Aufruf (Lose 232 bis 236).

Einen Blick – und vielleicht ein Gebot – wert ist sicher auch Carl Spitzwegs Werk Der Geologe (Los 84), um 1850. In seiner lockeren, von der Schule von Barbizon inspirierten Malweise nähert sich das skizzenhafte Ölgemälde schon fast einem impressionistischen Werk. Den eine Botanisiertrommel tragenden
Forscher, der mit der Umgebung geradezu verschmilzt,
lässt der beliebte Künstler von Erdgeistern und Dämonen beobachten. Ein kleiner Seitenhieb Spitzwegs gegen bornierte Wissenschaftler? Schätzpreis: € 40.000/60.000.

Allzu Menschliches ist auch den großen alten Meistern nicht fremd. Davon zeugen die Blätter der wie gewohnt exquisiten Druckgrafik-Offerte von KARL & FABER – darunter zahlreiche Frühdrucke.
In Albrecht Dürers Kupferstich Die Versuchung des Müßiggängers (Der Traum des Doktors), um 1498, (Los 269), bläst etwa ein teuflischer Dämon mit einem Blasebalg einem faulen Stubenhocker unkeusche Träume ins Ohr. Der prachtvolle, kräftige und präzise Frühdruck startet mit einer Taxe von € 50.000/60.000. Zum gleichen Schätzpreis kommen von Deutschlands großem Renaissancekünstler zwei weitere Kupferstiche unter den Hammer: Das ungleiche Paar (Der Liebesantrag) und Junge Frau vom Tode bedroht (Der Gewalttätige), beide um 1495, (Lose 267N und 268N).
Eine weitere Verführung ist Die Versuchung des Heiligen Antonius von 1556 (Los 315). Der Kupferstich, eine Arbeit nach Pieter Bruegel d. Ä. zeigt aber weniger die Verführung des Heiligen als vielmehr ein vielfältig sündhaftes Geschehen. Davon abgewandt kniet Antonius, versunken ins Bibelstudium. Ein schönes, seltenes Blatt, genauso wie ein weiterer Kupferstich des Künstlers: Die großen Fische fressen die kleinen von 1557 (Los 314). Schätzpreis: jeweils € 12.000/14.000.

Ein absolutes Highlight in der Druckgrafikofferte: Der Arzt Ephraim Bonus (Los 328) aus dem Jahr 1647 von Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Das äußerst seltene Porträt des vielseitig interessierten,, jüdischen Arztes und Schriftstellers ist eine Ausnahme unter den Radierungen Rembrandts, weil es nicht direkt nach dem Leben entstand, sondern auf einer Ölskizze basiert, die sich heute im Rijksmuseum, Amsterdam befindet. Taxe: € 30.000/40.000.

Selbstverständlich steht nicht „nur“ der Mensch im Mittelpunkt der KARL & FABER Auktion Alter Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts: Freunde grandioser Lands­chaften finden beispielsweise mit Los 150 eine Zeichnung erster Güte zu einem Schätzpreis von € 8.000/10.000: die Landschaft mit Baum des Niederländers Jan Lievens (1607 bis 1674). Die gleiche Qualität gilt auch für Los 55, die Süddeutsche Landschaft mit Wanderern von Johann Georg Dillis (um 1820/30) mit einem Schätzpreis von € 20.000/25.000.

Zwei Werke, die eine Wertsteigerung erwarten lassen: die Radierung The Grand Piazza (Der große Platz) von Giovanni Battista Piranesi, um 1749 (Los 344N), zum Schätzpreis von € 15.000/18.000. Den 300. Geburtstag des künstlerischen Multitalents feiert gerade die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin mit einer Ausstellung, die neue Perspektiven auf sein Werk eröffnen soll.
Und wie – nicht nur – ein Überraschungserfolg bei der diesjährigen KARL & FABER Sommerauktion belegt, wächst gerade das Interesse am Orientalismus. Hier könnte für Bieter das Los 250 von Interesse sein: Das Aquarell Innenansicht des Marokkanischen Palais auf Schloss Linderhof von Heinrich Breling (um 1881) dokumentiert die damals in ganz Europa verbreitete Orientmode, die auch deutsche Regenten, wie König Ludwig II., in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste. Schätzpreis: € 10.000/12.000.

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PRESSEBILDER
Die Auswahl der Pressebilder können Sie unter dem folgenden Link herunterladen:
https://t1p.de/oknf

AUKTIONSABLAUF
AUKTION 298 –Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts
Samstag, 14. November 2020
11.30 Uhr Gemälde                                       Los 1 – 123
13 Uhr Pause
14 Uhr Zeichnungen                                      Los 130 – 257
15.30 Uhr Druckgrafik (separater Katalog)   Los 260 – 387

KONTAKT UND INTERVIEW-/BILDANFRAGEN
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