2. Oktober 2020

Sonderauktion bei KARL & FABER – eine hochkarätige Ulmer Privatsammlung, die von Aufbruch und Neubeginn zeugt

 

PDF | Pressemitteilung zur Preview „Tendenzen der Abstraktion“
PDF | Fotoindex „Tendenzen der Abstraktion“

Mit Tendenzen der Abstraktion versteigert das Münchner Kunstauktionshaus moderne und zeitgenössische Kunst aus einer Ulmer Sammlung

– KARL & FABER zeigt von Montag, 5. Oktober, bis Freitag, 16. Oktober 2020 in einer Preview-Ausstellung nahezu alle Werke der Sonderauktion Tendenzen der Abstraktion

– Zum Aufruf kommen am Donnerstag, 10. Dezember 2020, 70 marktfrische Werke aus einer exklusiven Privatsammlung – vergleichbar mit der Sammlung Kurt Fried im Museum Ulm

– Die Offerte umfasst Kunst des 20. Jahrhunderts – von der Klassischen Moderne über
Op-Art und die Gruppe ZERO bis zum Verpackungskünstler Christo – darunter Arbeiten von
Wassily Kandinsky, Kurt Schwitters, László Moholy-Nagy, Victor Vasarely und Günther Uecker

Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erblüht der kulturelle Neuanfang ausgerechnet in der schwäbischen Provinz – weit weg von späteren Kunstmetropolen wie Köln oder Düsseldorf. 1953 eröffnet in Ulm die Hochschule für Gestaltung, kurz HfG. Gegründet auf Initiative von Inge Scholl, der Schwester der beiden Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl. Mitbegründer und ihr späterer Ehemann ist der Grafikdesigner Otl Aicher, der 1972 das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele in München prägen sollte. Angelehnt an das Bauhaus genießt die Ulmer HfG bald höchstes internationales Ansehen. Ihr Ausbildungskonzept und ihre Designvorstellungen wirken bis weit in die Gegenwart hinein.

In diesem Umfeld legt ein junger Mann den Grundstein für eine Sammlung, die vom Geist dieses kulturellen Aufbruchs und Neubeginns zeugt. Spät aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt und neugierig auf alles, was von außen kommt, erlebt der Ulmer Kunstliebhaber, wie junge, unangepasste Leute in seiner Heimatstadt auftauchen. An der HfG unterrichten als erste Dozenten bekannte Künstler wie Josef Albers, Walter Peterhans, Johannes Itten und Helene Nonné-Schmidt. 1955 bezieht die HfG einen Neubau nach Entwürfen von Max Bill, kein Geringerer als Walter Gropius hält die Eröffnungsrede. Max Bill, Mitbegründer und erster Direktor der HfG formuliert deren Anspruch so: „Die gesamte Tätigkeit an der Hochschule ist darauf gerichtet, am Aufbau einer neuen Kultur mitzuarbeiten.“ Als Kronzeugen ruft er die Wegbereiter der Abstraktion auf: Wassily Kandinsky, Paul Klee und László Moholy-Nagy.

Alle drei sind in der umfangreichen Sammlung vertreten, von der bei KARL & FABER Kunstauktionen circa 70 Werke am Donnerstag, 10. Dezember, in der Sonderauktion Tendenzen der Abstraktion zum Aufruf kommen. Das Abstrakte zieht sich wie ein roter Faden durch die Offerte, deren Werke der Ulmer Kunstfreund von den 1950er bis in die 1990er Jahre erwirbt. Geleitet wird er von denjenigen, die im engen Ulm der frühen Nachkriegsjahre dem Denken neuen Raum schaffen – wie der Publizist, Verleger und Kunstsammler Kurt Fried. Dieser unterhält ab 1959 mit dem „studio f“ eine private, nicht kommerzielle Galerie, die aktuelle Positionen zeigt, bevor sie im institutionellen Kunstbetrieb sichtbar werden – ein Off Space und avantgardistischer Kristallisationspunkt im Ulm der Wirtschaftswunderjahre.

Die Sammlung Kurt Fried, heute im Museum Ulm beheimatet, zeigt anhand vieler Parallelen, wie nahe sich die beiden schwäbischen Kunstliebhaber gestanden haben müssen: In beiden Sammlungen finden sich hochkarätige Werke der Klassischen Moderne sowie von Mitgliedern der Gruppe Abstraction-Création wie Wassily Kandinsky, Kurt Schwitters oder Friedrich Vordemberge-Gildewart, der Dozent an der HfG Ulm war. Dort studierte seit 1953 Almir Mavignier, der als Vertreter der konkreten Kunst und der Op-Art ebenfalls in beiden Sammlungen auftaucht. Er war ein wichtiges Bindeglied zwischen der HfG und Kurt Frieds „studio f“, das für die Gruppe ZERO eine bedeutende Plattform war. Wie in Frieds Sammlung ist auch im Konvolut Tendenzen der Abstraktion mit Günther Uecker einer ihrer wichtigsten Künstler vertreten: mit einer frühen Komposition von 1967.

Es ist die Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Licht, Raum und Bewegung, die beide Sammlungen charakterisiert:  Zu sehen auch in den Werken von Günter Fruhtrunk, Victor Vasarely, Gottfried Honneger, Rupprecht Geiger oder Jiri Hilmar. Die mathematische Ordnung begeisterte beide Sammler, doch ihr Blick blieb geweitet. So findet sich in Tendenzen der Abstraktion überraschend eine frühe Décollage von Mimmo Rotella, „Quasi una dramma“ von 1961.

Gesammelt wurde übrigens gänzlich undramatisch in Ulm. Über Kurt Fried heißt es in einem Ausstellungskatalog, er sei seinen Weg unbeirrt gegangen, „mit Stiefeln schwäbischen Zuschnitts: solide, unauffällig, nachahmenswert“[1]. In diesem Sinne würdigt KARL & FABER den zweiten großen Ulmer Kunstliebhaber mit einer Sonderauktion und einem eigenen Katalog – die beide vom kulturellen Aufbruch in schwierigen Zeiten zeugen. Der Katalog ist ab Mitte November erhältlich und online unter www.karlundfaber.de einsehbar. Weitere Werke der Ulmer Privatsammlung, darunter wichtige Arbeiten von August Macke bis Andy Warhol, kommen bei KARL & FABER in den Auktionen Moderne und Zeitgenössische Kunst am 9. und 10. Dezember 2020 zum Aufruf.

In den Sonderauktion Tendenzen der Abstraktion sind u. a. folgende Künstler vertreten:
Yacov Agam
Günter Fruhtrunk
Rupprecht Geiger
Alexej Jawlensky
Wassily Kandinsky
Paul Klee
Almir Mavignier
László Moholy-Nagy
Markus Prachensky
Lothar Quinte
Mimmo Rotella
Kurt Schwitters
Günther Uecker
Victor Vasarely
Friedrich Vordemberge-Gildewart

KARL & FABER wurde 1923 in München gegründet und ist eines der größten Kunstauktionshäuser in Deutschland. Unter den Kunstauktionshäusern der D-A-CH-Region hat es sich seit 2010 mit am dynamischsten entwickelt. (Quelle: artnet) Das Haus hat sich auf Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne Kunst und Zeitgenössische Kunst spezialisiert. Ein Schwerpunkt ist die Provenienzforschung. KARL & FABER hat seinen Sitz in München mit Niederlassungen in Hamburg und Düsseldorf sowie Repräsentanzen in Tegernsee, Basel, London, Italien, Österreich und in den USA. Am Hauptstandort führt KARL & FABER sechs Auktionen pro Jahr durch, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen. Seit Frühjahr 2019 führt KARL & FABER auch Online-Only-Auktionen durch. Neben dem Auktionsgeschäft veranstaltet KARL & FABER regelmäßig Verkaufsausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Seit 2008 vergibt das Unternehmen gemeinsam mit der Stiftung der Kunstakademie München alle drei Jahre den KARL & FABER Kunstpreis. Das Haus engagiert sich zudem für den Münchner Kunststandort als Partner des Ausstellungsprojekts Various Others und seit 2017 als Förderer des experimentellen Kunstraums Loggia.

PREVIEW FÜR MEDIENVERTRETER/INNEN
Mittwoch, 14. Oktober 2020, 10 Uhr
Exklusive Führung mit Dr. Julia Runde, Leiterin Zeitgenössische Kunst bei KARL & FABER
KARL & FABER, Kunstauktionen, Amiraplatz 3 (4. Stock), 80333 München
Verbindliche Akkreditierung erbeten an Frau Verena Sanladerer: vsanladerer@karlundfaber.de

PRESSEBILDER
Bilder mit Fotoindex zum Herunterladen: https://rb.gy/whwxls

SONDERKATALOG
Tendenzen der Abstraktion ab Mitte November erhältlich und online unter www.karlundfaber.de

KONTAKT UND INTERVIEW-/BILDANFRAGEN
Dr. Anne-Cécile Foulon
Leiterin Kommunikation & Development
KARL & FABER Kunstauktionen GmbH
Amiraplatz 3 | D – 80333 München
presse@karlundfaber.de
T +49 89 24 22 87-17
F +49 89 22 83 350
karlundfaber.de

Nicola Scheifele M.A.
Pressebüro allWrite
Marklandstraße 18 | D – 81549 München
T +49 89 44 11 83 41
M +49 179 395 58 48
nicola.scheifele@freenet.de

[1] Ausstellungskatalog, studio f Sammlung Kurt Fried, Ulmer Museum, März-Mai 1976.

Victor Vasarely, „KABIRA“, 1953
Schätzpreis: € 20.000/30.000