18. Juni 2020

Vorbericht Sommerauktionen: Moderne & Zeitgenössische Kunst | Von Frauen und anderen Künstlern

KARL & FABER versteigert in den Sommerauktionen am 16. Juli 2020 Spitzenwerke aus Moderner und Zeitgenössischer Kunst

Das Münchner Kunstauktionshaus lädt am Donnerstag, 16. Juli zu zwei Saalauktionen ein.
Zum Aufruf kommen Moderne Kunst (11 Uhr), Zeitgenössische Kunst (14 Uhr) und in der Abendauktion (18 Uhr) ausgewählte Werke aus beiden Epochen.

Die Offerte umfasst Werke international anerkannter Künstlerinnen und Künstler – von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky über Picasso und Dadamaino bis zu Katharina Grosse und Eduardo Chillida.

PDF | Vorbericht Sommerauktionen Moderne & Zeitgenössische Kunst

PDF | Fotoindex_Auktion 296_297

„Bildnismalen ist die kühnste und schwerste, die geistigste, die äußerste Aufgabe für den Künstler“ – und für die Künstlerin. Denn das Zitat stammt von Gabriele Münter. Ein außergewöhnlich großformatiges Kinderporträt der bekannten Expressionistin kommt bei KARL & FABER am 16. Juli zum Aufruf: das
Bildnis von Gustl Blab (Los 411 wohl um 1908, Schätzpreis € 150.000/250.000). Ein Werk, mit dem sie– wie sie selbst schrieb – „nach kurzer Zeit der Qual einen großen Sprung gemacht“ hat, „vom Naturmalen“ zum „Geben eines Extrakts“.

 Frauen in der Kunst ist in den Sommerauktionen des Münchner Kunstauktionshauses ein großes Thema. „Anhand der Werke unserer umfassenden Offerte lässt sich nachvollziehen, wie sich ihr Bild und ihre Rolle im Kunstbetrieb gewandelt hat“, erklärt Sheila Scott, Leiterin Moderne Kunst und Geschäftsführerin bei
KARL & FABER (siehe auch beiliegendes Interview).

Da ist zum Beispiel im Bereich der Moderne Pierre-Paul Girieud, der mit seinem Portrait d’Émilie Charmy (Los 400, 1908, Schätzpreis € 40.000/50.000) bereits eine Hommage an seine Malerkollegin schuf. Marc Chagall dagegen verewigte 70 Jahre später in seinem Intérieur jaune (Los 433, 1978-80, Taxe: € 280.000/350.000), ein Selbstbildnis mit seiner Ehefrau „Vava“, diese noch als klassische Muse.
In der zeitgenössischen Kunst sind unter anderen auch drei der aktuell erfolgreichsten deutschen Künstlerinnen vertreten: Wie Jorinde Voigt mit Perm I, II und III (Los 845, 2007). Das Triptychon besitzt für sie selbst einen hohen Stellenwert. Das bezeugen ihre ausführlichen Äußerungen zu diesem Frühwerk. Taxe: € 80.000/120.000.
Von Katharina Grosse kommt mit der Losnummer 844 ihre Acrylplastik Ohne Titel (2015/80016L) zum Aufruf, eine Skulptur, die sie als Teil ihrer Installation auf der Biennale von Venedig 2015 präsentiert hatte. Schätzpreis: € 20.000/35.000. Derzeit ist von der Malerin raumgreifender Werke eine große Installation im und um den Hamburger Bahnhof Berlin zu sehen.
Isa Genzken ist hier die Dritte im Bunde. Die vierteilige Arbeit Ohne Titel (Roboterdruck), (Los 846, 1978) stammt aus ihrem Frühwerk und gilt als zeichnerische Umsetzung ihrer Ellipsoiden. Der Computerdruck entstand anlässlich einer ihrer ersten Einzelausstellungen im Kabinett für aktuelle Kunst Bremerhaven. Schätzpreis € 20.000/25.000).

Eine feministische Sichtweise vertritt schließlich die US-Künstlerin Kathryn Andrews. Sie kombiniert Readymades mit Fundstücken. So auch bei Clown Cabinet (Los 847, 2012), wo poppige Seidenkrawatten und ein bunter Porzellanteller mit einem alten Karteikartenschrank korrelieren. Taxe: € 50.000/60.000.

Als eine der wenigen weiblichen Pionierinnen der italienischen Avantgarde der 1960er Jahre gilt Dadamaino (Eduarda Emilia Maino). Bekannt wurde sie damals vor allem für ihre Volumi-Serien. Eines der frühesten Beispiele ist das angebotene Werk Volume (Los 808) von 1959. Taxe: € 20.000/25.000.

In Zeiten wie diesen können wir es kaum erwarten, dass wir wieder reisen können. Vorfreude vermitteln uns Werke, die unter der Sonne des Südens entstanden. Etwa in Frankreich, wie Pablo Picassos Homme à l’agneau, mangeur de pastèque et flûtiste (Los 432, 1967). In der Kreidezeichnung ist neben dem Flötenspieler und dem Lammträger ein Mann zu sehen, der eine Wassermelonenscheibe isst. Diese findet sich oft im Werk des spanischen Jahrhundertkünstlers: als Symbol für die mediterrane Tradition, den Sommer, die Hitze und Sinnlichkeit. Taxe: € 250.000/350.000.

Unter dem blauen Himmel der Côte d’Azur entstand um 1925/30 Raoul Dufys Promenade des Anglais à Nice (Los 429). Die Leichtigkeit und Farbfrische der Strandpromenade mit herrschaftlichen Villen und Palmen am nahegelegenen Strand bezaubern den Betrachter. Taxe:  € 100.000/150.000.

Ein weiterer Franzose im Sommerangebot von KARL & FABER ist Maurice de Vlaminck. Erst mit 24 Jahren, im Sommer 1900, entschloss er sich, Maler zu werden, nachdem er zuvor als Radrennfahrer, Mechaniker und Musiker gearbeitet hatte. La Maison de l’Etang (Los 428) von 1910 gilt als ein charakteristisches Werk seiner ersten Schaffensphase. Schätzpreis: € 80.000/100.000.

Der baskische Künstler Eduardo Chillida ist seit den 1970er Jahren für seine Skulpturen aus Schamotte-Ton bekannt. Entsprechend hat er diese „Lurra“ (baskisch für Erde) genannt. Lurra G-12 (Los 821) fertigte er mit seinen typischen, die Oberfläche aufbrechenden Einschnitten 1984 an. Taxe: € 150.000/200.000.

Neben Dadamaino (siehe oben) ist in Auktion 297 auch die männliche Seite Italiens präsent:

Alighiero Boetti gilt als bedeutendster Vertreter der italienischen Arte Povera. Legendär sind seine Wortstickereien. In seiner zweiten Heimat Afghanistan setzten Stickerinnen diese um, wobei sie die Farben selbst auswählten. Pisciarsi in bocca (Los 820, 1976) ist eine seltene frühe Arbeit. Taxe: € 25.000/35.000.

Vom italienischen Avantgardekünstler Lucio Fontana kommt die Gouache Ohne Titel (Concetto spaziale) (Los 804, 1964/65) zum Aufruf. Schätzpreis: € 15.000/20.000.

Aus dem Süden der Schweiz stammt der für seine extrem langen, schlanken Figuren bekannte Bildhauer Alberto Giacometti. Hier ist er mit der Bleistiftzeichnung Portrait de James Lord (Los 425, 1954/1960) vertreten. Schätzpreis: € 65.000/85.000.

Zurück im kühlen Norden erwarten uns in der Sommerofferte vier Klassiker der Moderne: Während die Allee im Tiergarten mit Spaziergängern, einer Droschke und einer Straßenbahn (Los 403, 1925-27) entstand, war Max Liebermann fast 80 Jahre alt. Jetzt „begnügte“ er sich mit Berliner Sujets, doch seine malerische Meisterschaft im Spiel mit dem Licht ist nach wie vor unverkennbar. Taxe:  € 250.000/350.000.

Von der Stadt (München) aufs „Blaue Land“ zog es indes 1902 Wassily Kandinsky. Im Sommer entstand Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen (Los 406). Schätzpreis: € 200.000/300.000.

Von Kandinsky angeregt wurde Serge Poliakoff, als er den Begründer der Blauen Reiter in Paris kennenlernte. Von nun an setzte er zunehmend die reine Farbe ein. Bleu vert (Los 434, 1962) gehört zu diesen Kompositionen, die auf den Betrachter durchaus meditativ wirken. Taxe: € 120.000/150.000.

Eine meditative Ruhe strahlen ebenso Henry Moores Two seated figures against wall (Los 440, 1960) aus. Die Kombination aus Figuren mit einem architektonischen Element ist für diese Spätphase in seinem Werk typisch. Er sieht darin eine eigenständige Raumwirkung und bessere Präsenz. Taxe: € 120.000/150.000.

Vier große Namen birgt auch die Offerte mit Gegenwartskunst aus heimischen Gestaden.

Hartfaser ist das Material, welches das Werk Imi Knoebels prägt. In seiner frühen Phase in den 1960er Jahren verarbeitete er es in Werken zwischen Malerei und Objekt. Das vorliegende Hartfaserbild mit phosphoreszierendem Lack Ohne Titel (Los 831, 1984) erinnert an ein monochromes Tafelbild. Schätzpreis: € 100.000/150.000.

Gerhard Richters Werke zählen zu den teuersten eines lebenden Künstlers. € 70.000/90.000 ist der Schätzpreis für das Ölgemälde Ohne Titel (Los 832, (19)89), ein Experiment aus Grau und Weiß.

„Es sind die Prozesse (…), die mich interessieren“, betonte Sigmar Polke immer wieder. Dennoch ist seine Farbprobe (Los 833, (19)86) alles andere als „nur“ ein experimenteller Versuch, sondern vielmehr eines der „Kleinode“, wie Erhard Klein die Werke aus dieser Gruppe nennt. Schätzpreis: € 50.000/70.000.

Titelgebendes Ursprungswerk für Georg Baselitz’ Ein Grüner (Remix) (Los 835, 2008) ist wohl Ein Grüner zerrissen von 1967, ein sogenanntes Frakturbild, heute in der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. In seiner Remix-Phase griff Baselitz sein Frühwerk hinterfragend auf. Taxe: € 30.000/40.000.

 

Sicher durch die Saalauktionen

KARL & FABER präsentiert als eines der ersten deutschen Kunstauktionshäuser auf seiner Webseite unter karlundfaber.de/tour/ einen virtuellen Panorama-Rundgang durch seine Räume. Dort ist ein Teil der Werke der Auktionen 296/297 zu sehen – verlinkt mit den entsprechenden Werkangaben in den Onlinekatalogen. So erhalten Interessenten bereits zu Hause einen ersten Eindruck von der Offerte bei KARL & FABER. Zudem verschickt das Münchner Auktionshaus auf Anfrage auch den gedruckten Katalog. Eine individuelle Vorbesichtigung im Original ist selbstverständlich möglich. Wir bitten um Voranmeldung per Mail info@karlundfaber.de oder telefonisch unter +49 89 22 18 65. Die Live-Auktionen 296/297 – Moderne Kunst, Zeitgenössische Kunst, Ausgewählte Werke – finden entsprechend den aktuellen Schutzvorkehrungen am 16. Juli 2020 ab 11 Uhr in den Räumen von KARL & FABER im Herzen von München statt. Aufgrund der situationsbedingten Beschränkung der Besucherzahlen bitten wir Interessenten, möglichst schriftlich, telefonisch oder online mitzubieten. Bei einer gewünschten Teilnahme im Auktionssaal bitten wir um vorherige Anmeldung.

 

KARL & FABER wurde 1923 in München gegründet und ist eines der größten Kunstauktionshäuser in Deutschland. Unter den Kunstauktionshäusern der D-A-CH-Region hat es sich seit 2010 mit am dynamischsten entwickelt. (Quelle: artnet) Das Haus hat sich auf Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne Kunst und Zeitgenössische Kunst spezialisiert. Ein Schwerpunkt ist die Provenienzforschung. KARL & FABER hat seinen Sitz in München mit Niederlassungen in Hamburg und Düsseldorf sowie Repräsentanzen in Tegernsee, Basel, London, Italien, Österreich und in den USA. Am Hauptstandort führt KARL & FABER sechs Auktionen pro Jahr durch, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen. Seit Frühjahr 2019 führt KARL & FABER auch Online-Only-Auktionen durch. Neben dem Auktionsgeschäft veranstaltet KARL & FABER regelmäßig Verkaufsausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Seit 2008 vergibt das Unternehmen gemeinsam mit der Stiftung der Kunstakademie München alle drei Jahre den KARL & FABER Kunstpreis. Das Haus engagiert sich zudem für den Münchner Kunststandort als Partner des Ausstellungsprojekts Various Others und seit 2017 als Förderer des experimentellen Kunstraums Loggia.

KATALOGE
Die Kataloge zu den Auktionen 296 und 297 „Moderne Kunst“ und „Zeitgenössische Kunst“ sind
online abrufbar oder gedruckt erhältlich auf karlundfaber.de/service/katalogbestellung.

Auktion 296 / Moderne Kunst:
Online-Katalog: karlundfaber.de/produkt-kategorie/auktion/auktion-296/
Katalog-PDF: karlundfaber.de/wp-content/uploads/2020/06/296_WEB.pdf

Auktion 297 / Zeitgenössische Kunst:
Online-Katalog: karlundfaber.de/produkt-kategorie/auktion/auktion-297/
Katalog-PDF: karlundfaber.de/wp-content/uploads/2020/06/297_WEB.pdf

VORBESICHTIGUNGEN
Die Vorbesichtigung findet mit entsprechenden Schutzvorkehrungen (maximal zwei Personen oder als Familie) und nach Terminvereinbarung statt.

Auktion 296 / Moderne Kunst & Auktion 297 / Zeitgenössische Kunst
In Düsseldorf (eine Auswahl von Werken, nach Terminvereinbarung):
Donnerstag, 18. Juni bis Samstag, 20. Juni 2020
KARL & FABER Düsseldorf, Mannesmannufer 7, 40213 Düsseldorf
Telefon: 0211 91 19 41 14
E-Mail: duesseldorf@karlundfaber.de

In Hamburg (eine Auswahl von Werken, nach Terminvereinbarung):
Montag, 22. Juni bis Dienstag, 23. Juni 2020
KARL & FABER Hamburg, Magdalenenstraße 50, 20148 Hamburg
Telefon: 040 82 24 38 23
E-Mail: hamburg@karlundfaber.de

In München (gesamte Offerte):
Montag, 6. Juli bis Mittwoch, 15. Juli 2020
Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr / Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr
KARL & FABER München, Amiraplatz 3, im Luitpoldblock, 4. Stock, 80333 München
Telefon: 089 22 18 65
E-Mail: info@karlundfaber.de

SAALAUKTION
Die Saalauktion findet mit entsprechenden Schutzvorkehrungen statt. Aufgrund der situationsbedingten Beschränkung der Besucherzahlen empfiehlt es sich, schriftlich, telefonisch oder online zu bieten.

Moderne Kunst (Auktion 296) & Zeitgenössische Kunst (Auktion 297)
Donnerstag, 16. Juli 2020, bei KARL & FABER in München

Auktionsverlauf:
11.00 bis ca. 12.30 Uhr        Moderne Kunst (Teil II)                   Los 500–639
ca. 12.30 bis 14.00 Uhr        Pause
14.00 bis ca. 15.00 Uhr       Zeitgenössische Kunst (Teil II)        Los 900–1121
16.30 bis ca. 18.00 Uhr       Pause
18.00 Uhr                               Ausgewählte Werke
Moderne Kunst (Teil I) und             Los 400–440
Zeitgenössische Kunst (Teil I)         Los 800–853

ONLINE-AUKTIONEN
Moderne Kunst & Zeitgenössische Kunst (Online-Only-Auktion)
Noch bis Sonntag, 21. Juni 2020, ca. 18 Uhr

VORSCHAU HERBSTAUKTIONEN
(Änderungen vorbehalten)
karlundfaber.de/kaufen/auktionen

Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts
Freitag, 6. November 2020

Moderne Kunst
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Zeitgenössische Kunst
Donnerstag, 3. Dezember 2020

KONTAKT UND INTERVIEW-/BILDANFRAGEN
Dr. Anne-Cécile Foulon
Leiterin Kommunikation & Development
KARL & FABER Kunstauktionen GmbH
Amiraplatz 3 | D – 80333 München
presse@karlundfaber.de
T +49 89 24 22 87-17 / F +49 89 22 83 350
karlundfaber.de

Nicola Scheifele M.A.
Pressebüro allWrite
Marklandstraße 18 | D – 81549 München
T +49 89 44 11 83 41 / M +49 179 395 58 48
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