10. Dezember 2019

Vorbericht zu Auktion 294: Großes Cross-over bei KARL & FABER an einem Abend

Auktion 294 vereint „Ausgewählte Werke“ Moderner und Zeitgenössischer Kunst

Am 5. Dezember kommen bei KARL & FABER ab 18 Uhr epochenübergreifende Spitzenwerke mit Schätzwerten bis zu jeweils 600.000 Euro zum Aufruf – darunter zwei expressionistische Gemälde von Alexej von Jawlensky und zwei Werke aus dem Œuvre Gerhard Richters

Vorbesichtigungen in Düsseldorf (15. bis 16.November), Hamburg (18. bis 19. November) und München (27. November bis 3. Dezember)

Kunst erhöht den Kapitalwert. Ein gutes Bespiel dafür ist Joseph Beuys mit seinen Zehnmarkscheinen, die er 1979 mit den Worten „Kunst = Kapital“ und seiner Unterschrift versah. Heute sind die Scheine über das Dreihundertfache wert. Ein Investment in Kunst kann sich lohnen – insbesondere in Werke der Moderne und der Zeitgenössischen Kunst, die einander sinnvoll ergänzen. Wenn sich zeigt, wie Künstler verschiedener Epochen immer wieder andere Lösungen für ein und dieselbe Fragestellung oder ein Motiv finden. Etwa das Kreuz, das Alexej von Jawlensky in Abstrakter Kopf (Los 626) und Arnulf Rainer in Übermaltes Kreuz (Los 627) zitieren. Oder wie beim Spiel mit der Farbe in einem vertikalen Bildaufbau wie bei Christian Rohlfs Kirche in Gandria (Los 631) und Arnulf Rainers Wasserfall (Los 632).

Diese Werke kommen unter anderen am 5. Dezember bei KARL & FABER zum Aufruf – in der Abendauktion „Ausgewählte Werke – Moderne und Zeitgenössische Kunst“, die epochenübergreifende Spitzenwerke präsentiert.

Die Highlights
Werke von Alexej von Jawlensky und seiner Lebensgefährtin Marianne von Werefkin sind derzeit im Münchner Lenbachhaus zu sehen. In der epochenübergreifenden Abendauktion von KARL & FABER ist der expressionistische Maler gleich mit zwei Meisterwerken vertreten. Abstrakter Kopf (Los 626) aus dem Jahr 1930 gehört zu der Serie Abstrakter Köpfe, in der sich der Künstler auf das Gesicht, immer streng frontal, konzentriert. Durch die Farbkontraste, die helle und die im Schatten liegende Gesichtshälfte sowie leichte Asymmetrien entsteht ein visueller Reiz, eine Art vibrierender Ruhe. Das Ölgemälde auf Papier wird mit € 400.000/600.000 bewertet.

Das Stillleben (Früchte und Schalen vor gemusterter Tapete) (Los 609) ist 1907 entstanden. In diesem Jahr setzt sich Jawlensky mit Paul Cézanne auseinander, dessen Einfluss hier klar erkennbar ist. Zugleich kündigt sich mit den Komplementärfarben Rot und Grün für die Äpfel die kommende expressionistische Phase an – für den Jawlensky-Experten Dr. Bernd Fäthke ist das Ölgemälde ein „seltenes beachtenswertes Schwellenbild zum Expressionismus“ (Taxe: € 280.000/350.000).

Mit den sogenannten Augenbildern schlägt Ernst Wilhelm Nay 1963 in seiner Kunst ein neues Kapitel auf: die Expression. Er beginnt, spitz-ovale Spindelformen über seine vorangegangenen Scheibenmotive zu malen. Im gleichen Jahr entsteht auch Ursprung in Gelb (Los 637). Das Ölgemälde ist bereits 1964 auf Nays bedeutender New Yorker Einzelausstellung zu sehen, die seine Augenbilder international bekannt macht. Drei dieser Werke lösen auf der documenta III heftige Diskussionen aus. (Taxe: € 180.000/240.000)

Arnulf Rainer ist bekannt für seine Übermalungen. Auch bei seinem Werk Übermaltes Kreuz (Los 627) von 1988/89 setzt er diese Technik ein. Doch mit seinen energieentladenden Übermalungen des heiligen Zeichens eckt er an – bis der Wiener Domprediger und Kunstsammler Otto Mauer diese Verhüllungen als „geheimnisvolle Ikonen des späten 20. Jahrhunderts“ interpretiert. Im 1988/89 geschaffenen Kreuz vereinen sich verschiedenste Elemente von Rainers Kunst. (Taxe: € 150.000/200.000)

Junges Paar (Los 605) von 1913 zählt zu den beliebtesten Motiven in Emil Noldes lithografischem Schaffen – neben der „Tänzerin“, dem „Meer“ und den „Heiligen Drei Königen“. Diese Grafiken gehören zu den großformatigsten Abzügen Noldes. Das zum Aufruf kommende farbfrische Blatt ist eines von 112 Exemplaren in verschiedenen Fassungen. Es ist in besonders ausgewogenen Rot- und Blautönen gehalten. Die Lithografie hat einen Schätzwert von € 120.000/180.000.

Als das Museum Penzberg 2018 in der Ausstellung „Einfach. Magisch“ die Bildwelten Heinrich Campendonks zeigte, zierte Wirtshaus (Los 654) von 1917 den Titel des Katalogs. Wie die anderen seiner Werke aus dem Ersten Weltkrieg charakterisiert auch dieses ein magisches Leuchten der Bildfläche. Die expressiven Farben der „Blauen Reiter“, denen Campendonk angehörte, sind jetzt subtileren gewichen. Das Aquarell, zu dem es ein Ölgemälde gleichen Titels gibt, wird mit € 120.000/160.000 bewertet.

Günter Brus führt bis jetzt zwei künstlerische Leben: zunächst als radikaler Aktionskünstler, der 1970 bis an die „Zerreißprobe“ geht – so der Titel einer Performancereihe –, dann als Maler von „Bild-Dichtungen“, wie er die zweite Phase seines Schaffens nennt. Für ihn selbst waren die beiden Werkkomplexe aber nie getrennt. Zum Aufruf kommt Das Unerhörte (Los 622) von 1980, eine außerordentlich großformatige Zeichnung, ausgeführt mit farbiger Kreide und Goldfarbe auf Packpapier. Taxe: € 100.000/150.000.

Wer Auguste Herbin klassifizieren will, kann sagen, dass er „in der großen Reihe jener Künstler“ steht, „die von der Gegenstandsmitteilung zur Abstraktion gelangt sind“. So sah es der Kunsthistoriker Horst Richter. Doch Herbin geht auch immer wieder eigene Wege. So gilt er letztlich als Geometriker, der im malerischen Bereich des Konstruktivismus seine entscheidenden Leistungen vollbringt. Wie im angebotenen Werk Composition mouvement (Los 628) von 1930. Schätzpreis für das Ölgemälde: € 80.000/120.000.

Seine Werke zählen zu den am höchsten gehandelten eines lebenden Künstlers. Gerhard Richter ist in der epochenübergreifenden Auktion von KARL & FABER ebenfalls gleich doppelt vertreten – mit zwei Werken, die ihren Ursprung in einer Vorlage haben: eines von Richters „Abstrakten Bildern“ von 1990. Dieses hat er unscharf fotografiert und bis zur Unkenntlichkeit vergrößert. Die Farbfotografie der 2008 entstandenen Edition Sieben Zwei Vier (Los 656) täuscht Malerei vor und ist charakteristisch für die Auseinandersetzung Richters mit Malerei und Fotografie. Letztere gibt zunächst vor, ein getreues Abbild der Natur und damit wahr zu sein. Gerhard Richter misstraut dem Medium und führt dies hier vor (Taxe: € 35.000/45.000). Nur drei Jahre später entstand Strip (3296), (Los 657), ein Unikat in Serie. Hier wird die Vorlage am Computer in 4096 sehr schmale vertikale Elemente zerlegt, die der Höhe des Gemäldes entsprechen. Nun wählt der Computer nach dem Zufallsprinzip einen Streifen aus, der dem Unikat seine Nummer gibt, hier die 3296. Dann wird der Streifen mehrfach gespiegelt, bis eine Struktur aus Linien entsteht – das ursprüngliche Gemälde wird so radikal in ein neues transformiert (Taxe: € 65.000/70.000).

„Nach meinem Gefühl muss man nicht vor der Grenze Skulptur/Gemälde stehen bleiben“ – so beschreibt Pol Bury den wesentlichen Kern seines Werks: die Zwei-Dimensionalität zu überwinden, Bewegung ins Bild zu holen und so ein eigenes Raum-Zeit-Kontinuum zu schaffen. Wie mit Ponctuation érectile (Los 641), eine seltene frühe Arbeit Burys von 1958, zu Beginn einer Serie kinetischer Werke mit versteckten Elektromotoren. Das Werk mit Originalmotor wird auf € 60.000/80.000 taxiert.

Leben und Werk des Malers A. R. Penck sind von der DDR geprägt: Der Staat verwehrt ihm den Eintritt in Kunstakademie und Künstlerverband. So entwickelt er ein Zeichensystem, angelehnt an Höhlenmalerei, das ihm freie Meinungsäußerung ermöglicht. Auch nach der Ausbürgerung 1980 beschäftigt ihn das deutsch-deutsche Thema, das er in Stasi (Los 614) 1990 mit Siebdruck und Pinsel bearbeitet (Taxe: € 45.000/65.000). Derzeit würdigt das Albertinum Dresden den Sohn der Stadt mit einer Ausstellung.

Er gehört zu den bekanntesten deutschen Künstlern der Gegenwart. Seit den 1980er-Jahren schafft
Markus Lüpertz Bilder und Skulpturen, die auf die griechische Antike verweisen. Dazu zählt auch Daphne 5 (Los 662) von 2002, eine unikal bemalte Figur aus einer Serie von sechs bemalten Bronzen. Diese zeigen variierend die um Apoll werbende Bergnymphe im Kontrapost stehend. Die sehr gut erhaltene Bronze wird auf € 25.000/35.000 geschätzt.

KATALOGE
Der Katalog „Ausgewählte Werke – Moderne & Zeitgenössische Kunst“ ist als PDF unter https://www.karlundfaber.de/wp-content/uploads/2019/11/294_ONLINE.pdf abrufbar oder gedruckt erhältlich auf www.karlundfaber.de/service/katalogbestellung

VORBESICHTIGUNGEN
In Düsseldorf
Vernissage: Freitag, 15. November 2019, 18 bis 21 Uhr
Weiterer Vorbesichtigungstag: Samstag, 16. November, 11 bis 16 Uhr
KARL & FABER Düsseldorf in Kooperation mit der Galerie Weick
Mannesmannufer 7, 40213 Düsseldorf

In Hamburg
Vernissage: Montag, 18. November 2019, 18 bis 21 Uhr
Weiterer Vorbesichtigungstag: Dienstag, 19. November, 11 bis 16 Uhr
KARL & FABER Hamburg, Magdalenenstraße 50, 20148 Hamburg

In München
Vernissage: Dienstag, 26. November 2019, 18 bis 21 Uhr
Weitere Vorbesichtigungstage: Mittwoch, 27. November bis Dienstag 3. Dezember 2019
Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr
KARL & FABER München, Amiraplatz 3, im Luitpoldblock, 4. Stock, 80333 München

AUKTIONEN
Auktion 294 / Ausgewählte Werke – Moderne & Zeitgenössische Kunst
Donnerstag, 5. Dezember 2019, ab 18 Uhr bei KARL & FABER in München
Lose 600 bis 662

VORSCHAU LIVE AUKTIONEN
Auktion 292 / Moderne Kunst
Mittwoch, 4. Dezember 2019, ab 16 Uhr bei KARL & FABER in München

Auktion 293 / Zeitgenössische Kunst
Donnerstag, 5. Dezember 2019, ab 15 Uhr bei KARL & FABER in München

ONLINE-ONLY-AUKTIONEN
Moderne & Zeitgenössische Kunst
Von Mittwoch, 20. November 2019, 10 Uhr bis Sonntag, 1. Dezember 2019, 12 Uhr
auf https://www.karlundfaber.de/kaufen/online-only/

Fly me to the Moon – Vintage-Fotografien der N.A.S.A.
Sonderauktion anlässlich des Jubiläums der Mondlandung 1969-2019
Von Mittwoch, 20. November 2019, 10 Uhr bis Sonntag, 1. Dezember 2019, 18 Uhr
auf https://www.karlundfaber.de/kaufen/online-only/

KARL & FABER wurde 1923 in München gegründet und ist heute gemessen am Verkaufsvolumen das fünftgrößte Kunstauktionshaus in Deutschland. Unter den Kunstauktionshäusern der D-A-CH-Region hat es sich seit 2010 am dynamischsten entwickelt. Das Haus hat sich auf Alte Meister, Kunst des 19. Jahrhunderts, Moderne Kunst und Zeitgenössische Kunst spezialisiert. Ein Schwerpunkt ist die Provenienzforschung. KARL & FABER hat seinen Sitz in München mit Niederlassungen in Hamburg und Düsseldorf sowie Repräsentanzen in Tegernsee, Basel, London, Italien, Österreich und in den USA. Am Hauptstandort führt KARL & FABER sechs Auktionen pro Jahr durch, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen. Seit Frühjahr 2019 führt KARL & FABER auch Online-Only-Auktionen durch. Neben dem Auktionsgeschäft veranstaltet KARL & FABER regelmäßig Verkaufsausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Seit 2008 vergibt das Unternehmen gemeinsam mit der Stiftung der Kunstakademie München alle drei Jahre den KARL & FABER Kunstpreis. Das Haus engagiert sich zudem für den Münchner Kunststandort als Partner des Ausstellungsprojekts Various Others und seit 2017 als Förderer des experimentellen Kunstraums Loggia.

KONTAKT UND INTERVIEWANFRAGEN
Dr. Anne-Cécile Foulon
Leiterin Kommunikation & Development
KARL & FABER Kunstauktionen GmbH
Amiraplatz 3 | D – 80333 München
presse@karlundfaber.de
T +49 89 24 22 87-17 / F +49 89 22 83 350
www.karlundfaber.de

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