3. Juli 2019

Ausstellung Jürgen Zumbrunnen – Aus dem Nachlass

 

Galerie Baviera zu Gast bei Karl & Faber
Werke 1990 – 2015
10.-26.7.2019

Mittwoch, 10. Juli 2019
18.30 Uhr: Vernissage
19.30 Uhr: Lesung von Silvio R. Baviera / Poesie & Prosa

PDF Einladung | Jürgen Zumbrunnen – Aus dem Nachlass

Karl & Faber Kunstauktionen und die Galerie Baviera laden herzlich zur Präsentation einer Auswahl von Werken des Schweizer Künstlers Jürgen Zumbrunnen (1946-2016).

Jürgen Zumbrunnen reduziert sich nicht zum Flachmaler, der seine Leinwände einstreicht, nur Papier verbraucht. Wählen Sie ein zufälliges Rechteck aus dem Vollbrachten und die Qualität eines äußerst differenzierten Farbauftrags lässt sich überprüfen. Ein beflügeltes Fest der Sinne verführt einen. Deshalb reiht sich Jürgen Zumbrunnen in die Tradition subtilster Meister des Genres. Er hält einen nicht zum Narren. Sein malerisches Feuerwerk übersteigt den Horizont des Eingespielten. Gereicht nicht zur Verblendung, eher zum Standard ungetrübter Zustimmung. Thematisch rückt es in die Nähe eines Existenzialismus und überwirft sich mit dem Erbärmlichen. Existieren zwischen den Fronten der Widersprüche, ohne sie aufzuhetzen. Seine Interieurs orchestrieren doppeldeutig Intimes, eine enthüllte Milde der Begegnung.
Kristalline Pigmente durchfluten die Spiegel der Bindehaut. Ein funkelnder Strauß aus Sternen leuchtet sie aus. Menschenfiguren durchstöbern in einem virulenten Balanceakt ihre fragilen Geschichten und mischen das schüttere Licht der Mondtempel auf. Die Strahlkraft seiner Hintergründe entfachen ein glimmendes Feuer. Manege frei für einen Magier im Kreis aufgehellter Dunkelheit. (Silvio R. Baviera, Galerist)

Ausstellungsansicht von Jürgen Zumbrunnen, Der Abhang, 2010, Öl auf Leinwand, 3 Teile à 205 x 260 cm

 

Zunächst stark beeinflusst durch den deutschen Expressionismus waren die Anfänge Zumbrunnens als freischaffender Künstler geprägt von der kritischen Auseinandersetzung mit Strömungen wie der Schweizer Variante der Pop-Art. Im Prozess, der eine Loslösung von eher grafischen Elementen darstellt, findet Jürgen Zumbrunnen seinen eigenen Stil. Der Künstler vertraut von Beginn an seinem Geschick, das keine Zensuren duldet. Er sucht und findet seine eigenständige, verschworene Unabhängigkeit im Zeichnen, Malen und in seinen Holzskulpturen. Dabei erwirbt er eine virtuose Fertigkeit, als würde sein Auftrag von einem melodischen Fluss untermalt, auf seiner Palette gruppieren sich die Tonfolgen. Seine künstlerische Analyse mündet in keine Krise, ist keinem Anliegen meist narzisstischen Trostes verfallen, sondern unaufdringlicher Näherung. Stets spürt man in seinem facettenreichen Farbenrausch eine unabgefederte Musikalität.
Sublime Interieurs, die auf einer Reise durch News Yorks Hotelhallen, Duschvorhängen, Tanzlokalen aquarelliert worden sind, münden als Folge einer zermürbenden Krise in Rückbesinnung auf die eigenen Person, vergleichbar mit Festklammern von schwebenden Empfindungen, Ahnungen, hinausgezögert in eine ungepackte Zukunft. Formal als auch inhaltlich verwirren sie, weil sich auf Anhieb nicht alles erkennen lässt. Der Betrachter ist gezwungen, die Splitter wieder zusammenzufügen. Daraus entpuppen sich Szenen, die nervöse Bezüge in der unausgesprochenen Zone zwischen Angst und Zärtlichkeit schaffen. Sind sie erotischer Natur zeigen sie den Menschen seltsam isoliert, ausgesetzt der Gefahr, vernichtet zu werden.
Jürgen Zumbrunnens Hang zum Gegenstand ist nicht zu verleugnen. Es ist keine naturalistische Treue, sondern eine verzerrte, die ihn vom Wesen, vom Umfeld und vom Stellenwert her beleuchtet, freihält, schürt, keineswegs mit filigranartigen Bewegungen, um etwa zu schmeicheln. Durch ihren szenischen Charakter „schämt“ er sich nicht, kritisier- oder interpretierbar zu bleiben, im Gegenteil, weil er durch sein angespanntes Körperdenken und Geistesfühlen etwas zu sagen hat. Auch in der Verschwommenheit mancher Ereignisse, Konflikte, Überraschungen ist er keiner Beliebigkeit unterworfen und entzieht sich nicht in die Leere.
Die früheren Werke zeugen von einem differenzierten Gespür für die Stimmungen, Details, die im ätzenden Alltags- und Nachtstrudel gewöhnlich in einem zu einer grauen, alles planierenden Kulisse herunterkippen. Spätere Werke wirken entrückter, ohne die Glanzlichter des städtischen Wirrwarrs. Sein Hervorbringen krönt in seiner Anschauung etwas Verbindliches, konspirativ mit dem Betrachter, ohne Allegorien abzukochen, um das Schöne zu verwalten. Sein Pendeln zwischen Heiterem und Finsterem verblendet nicht. Das Gegenständliche bringt sinnlich Aufklärendes hervor. Seine Anschauung gestaltet sich stets beobachtend und direkt. Die Welt fächert sich in glühende Szenen auf, die einen auf eine streitbare Reise schicken, die Vorstellung nimmt sich wahr.

Bitte beachten Sie, dass auf dieser Veranstaltung fotografiert wird.