3. Mai 2019

Vorbericht | Italienische Raritäten und mehr…

Auktion Alte Meister & Kunst des 19. Jahrhunderts / Freitag, 10. Mai 2019

München, 3.5.2019

Italienische Raritäten des 16. und 17. Jahrhunderts (Passarotti, Reni, Carracci) / Neuentdeckung van Schrieck / Hervorragende Druckgrafik von Rembrandt, Canaletto, Cranach d. Ä., Albrecht Dürer / Vorimpressionistische Freilichtmalerei (Gille, Salathé, Nerly) / Gemälde von Spitzweg, Thoma, Busch und Daumier

ALTE MEISTER

Seltene italienische Zeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts, hervorragende Druckgrafiken und eine Neuentdeckung bei den Alten Meistern stehen im Fokus der nächsten Auktion bei KARL & FABER.
In der Frühjahrsauktion bei KARL & FABER liegen seltene italienische Zeichnungen des 16. und 17. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Offerte der Abteilung „Alte Meister“. Besonders hervorzuheben sind schöne, lavierte Kompositionsentwürfe in brauner Feder: Die Transfiguration (1570er oder frühe 1580er Jahre) von Passarotti (Taxe € 12.000/15.000) und Don Juan vor der Schlacht von Lepanto (1620er Jahre) von Reni (Taxe € 30.000/40.000).
In seiner furios hingeworfenen Zeichnung stellt Bartolomeo Passarotti einen Kompositionsentwurf zu einem entweder nicht mehr erhaltenem oder nicht ausgeführten Altarbild mit der Transfiguration Christi dar und lässt sich dabei von der Komposition einer um 1517-20 entstandener Transfiguration von Raphael, heute in der Pinacoteca Vaticana, inspirieren.
Guido Reni erhielt von Philipp IV. zwischen 1626 und 1628 einen Auftrag zu einem großformatigen Gemälde. Für sein ehrgeiziges Projekt zum Thema der Entführung der Helena bestellte der spanische König insgesamt zwölf Bilder bei den besten Malern Italiens. Sujet von Renis Zeichnung ist Don Juan de Austria vor der Schlacht von Lepanto. Von der Hand des Künstlers haben sich zahlreiche Studien in Kreide oder brauner Feder erhalten, aber kaum Licht und Schatten modellierende, lavierte Kompositionsentwürfe wie diese. Dieses Blatt ist daher eine große Rarität in seinem zeichnerischen Œuvre.

Dank seiner hervorragenden Expertise in Druckgrafik ist es KARL & FABER für die kommende Frühjahrsauktion wieder gelungen, zahlreiche Werke von Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Giovanni Antonio Canal genannt Canaletto, Cranach d. Ä. sowie Albrecht Dürer zusammenzustellen.
Besonders nennenswert ist der Kupferstich Ritter, Tod und Teufel (1513 / Taxe € 45.000/55.000) aus einer dänischen Privatsammlung, der zu den drei zwischen 1513 und 1514 ausgeführten Meisterstichen des Renaissance-Künstlers gehört. Es handelt sich hier um einen ausgezeichneten, kräftigen und klaren Abdruck. Wie bei den letzten Auktionen wird die Druckgrafik in einem gesonderten Katalog dargestellt.

Teil der Gemäldeofferte ist eine hervorragende und selten angebotene Studie von zwei Männerköpfen (um 1590 / Taxe: € 120.000/140.000) von Annibale Carracci. In seinem genialen Schaffen verbanden sich in einzigartiger Weise eine genaue Beobachtungsgabe mit der Fähigkeit zu adäquater künstlerischer Realisation. Die lebensnahe Studie ist nicht Porträt zweier individueller Persönlichkeiten, sondern Verbildlichung menschlicher Typen, auf der Grenze zwischen Naturalismus und den tradierten, durch das Studium der Antike gebildeten Typen. Die Malweise demonstriert virtuosen Schwung, sie führt die charakteristische Handschrift und Meisterschaft Annibale Carraccis vor Augen.

In der Malerei stehen niederländische Stillleben beim Münchner Auktionshaus seit Jahren im Fokus. So konnte KARL & FABER ein Stillleben mit Rosen (1660er Jahre / Taxe: € 10.000/15.000) von Otto Marseus van Schrieck neu entdecken. Dr. Fred Meijer, Amsterdam, konnte das bislang nicht bekannte Blumenstück mit Vergänglichkeitsthematik von der Hand des Malers bestimmen.

KUNST DES 19. JAHRHUNDERTS

In der Kunst des 19. Jahrhunderts spannt KARL & FABER den Bogen zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Tradition und Moderne. Das moderne, wegweisende 19. Jahrhundert, seine Auseinandersetzung mit der Freilichtmalerei und der französische Einfluss der Schule von Barbizon auf die deutsche Malerei bilden einen besonderen Schwerpunkt der kommenden Frühjahrsauktion.

Die Ölstudie Goldregen (Taxe € 10.000/12.000) aus der berühmten Sammlung des Gille-Entdeckers Johann Friedrich Lahmann ist wiederaufgetaucht. Mit Leichtigkeit und Spontaneität vollzieht Christian Friedrich Gille den Übergang von der Spätromantik zum Realismus in einer Art von Malerei, die man als „vorimpressionistisch“ bezeichnen kann. Er war ein Meister des kleinen Formats auf Papier oder Pappe, denn sie waren leicht zu transportieren und unverzichtbarer Malgrund der plein-air-Malers.
Friedrich Salathé dokumentiert in seinem bewusst unvollendeten Bild Binningen (um 1822 / Taxe € 10.000/12.000) ein neues Verhältnis des Künstlers zur Natur. Die Landschaft entsteht nicht mehr im Atelier, sondern in der Natur. Salathé muss zu den bedeutenden Vertretern der Freilichtmalerei am Beginn des 19. Jahrhunderts gezählt werden. Auch Friedrich Nerly realisierte zahlreiche vorbereitende Studien im Freien. Im Venedig der 1830er Jahre avancierte der Maler zum begehrten Vedutisten der Lagunenstadt. Kraftvolle, strahlende Farbigkeit kombiniert er mit dem Licht des Südens. In seiner Ansicht des Palazzetto Contarini Fasan gen. „Casa di Desdemona“ am Canal Grande geht sein Blick ostwärts vom Canal Grande auf die Lagune vorbei am Palazzo Contarini-Fasan, der der Legende nach auch als Heim der Desdemona aus Skakespeares Othello bekannt war. Diese Verbindung der Wunder Venedigs mit der literarischen Legende konnte sich bewusst an ein angelsächsisches Publikum richten, das für solche Souvenirs empfänglich war.

Der französische Einfluss ist in Werken von Thoma und Spitzweg unverkennbar. Carl Spitzwegs Landschaft mit kleinen Figuren (um 1870/75 / Taxe € 60.000/80.000) ist das Bild eines unbeschwerten Sommertages, eine zeitlose Idylle, erhoben über Zeit und Raum, stimmungsvoll und voller Poesie. Mit solchen Virtuosenstücken begründete Spitzweg seinen Ruhm. Das kleine Gemälde macht außerdem deutlich, wie Spitzweg die Errungenschaften der Schule von Barbizon nach Bayern übertrug.
In seinem kunst- und spannungsvolle Arrangement Frühlingsblumen (1876 / Taxe € 24.000/28.000) verbindet Hans Thoma auf einzigartige Weise Tradition und Moderne. Er zitiert sowohl die holländische Tradition des „Goldenen Jahrhunderts“, als auch die realistische Malweise eines Gustave Courbet und der Schule von Barbizon. 1953 wurde dieses Bild als „Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk“ an die Nationalgalerie/Ost-Berlin zurückgegeben und 1993 an die Erben nach Ella Geißler-Thoma, der Adoptiv-Tochter des Künstlers, restituiert. Nach vielen Jahren kommt das Bild nun zum ersten Mal in den Auktionshandel. Die Freilichtmalerei und die Auseinandersetzung mit den Alten Meistern ziehen sich ebenfalls durch die Landschaften von Wilhelm Busch, von dem zwölf Gemälde bei der Auktion angeboten werden.

In der Gemäldeofferte sticht noch ein Werk des französischen Künstlers Honoré Daumier besonders hervor, das an Aktualität nicht eingebüßt hat: Die Familie auf der Barrikade (um 1848 / Taxe € 70.000/100.000). Revolution und Aufstand waren im Frankreich des 19. Jahrhunderts ein ständiger Begleiter und sind es noch heute. Davon erzählt das kleine Gemälde Daumiers, wohl auf die Aufstände der Februarrevolution von 1848 Bezug nehmend. Dabei gelingt dem Maler eine allgemeingültige, zeitlose und persönliche Darstellung. Das Gemälde wird in den Nachtragsband des Catalogue Raisonné von Karl Eric Maison aufgenommen.

* Alle Ergebnisse inkl. Aufgeld von 25 %

KONTAKT
Dr. Anne-Cécile Foulon
Leiterin Kommunikation & Development
KARL & FABER Kunstauktionen GmbH
Amiraplatz 3 | D – 80333 München
presse@karlundfaber.de
T +49 89 24 22 87-17 / F +49 89 22 83 350
www.karlundfaber.de

 

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Pressemitteilung Auktion 288 | Vorbericht Karl und Faber

Fotoindex Alte Meister & 19 Jh. | Frühjahr 2019