14. März 2017

HEINO NAUJOKS – Stationen

Vernissage
28. März 2017, 18 – 21 Uhr
20 Uhr: Einführung von Matthias Mühling, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München

Ausstellung
29. März bis 3. Mai 2017
Montag bis Freitag, 10 – 18 Uhr

Anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers (geboren 1937 in Köln) zeigt Karl & Faber vom 29. März bis 3. Mai 25 Werke, die seit den 60er Jahren entstanden sind. Heino Naujoks war Mitglied der Münchner Künstlergruppe WIR, die sich 1966 unter dem Namen GEFLECHT mit der Gruppe SPUR zusammenschloss. Zwischen 1975 und 1989 schuf Naujoks u.a. großformatige Wandbilder für den öffentlichen Raum, etwa für die Technische Universität und das Klinikum Großhadern in München sowie für das Staatsarchiv Augsburg.

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Im Interview mit Andrea Heesemann sprach Heino Naujoks über die Entstehung seiner Werke.

DER SOUND DES WERKS – SIEBEN FRAGEN AN HEINO NAUJOKS

1. Wie entsteht ein Bild von Heino Naujoks?
Der Anfang ist leicht, offen, frei. Ich arbeite an der Leinwand ohne Skizzen, ohne Vor­zeichnungen, ohne Gegenstand, ohne Plan, also: eigentlich ohne Bildkonzept. Es beginnt mit dem Wunsch, in den Bildprozess hineinzukommen, frei zu werden. Dafür brauche ich viel Zeit. Erst dann wähle ich das Bildformat aus und mein Material. Alles kann Auslöser werden für Wege, die in die Bildgestaltung führen.

2. Wie kann man sich den Malprozess vorstellen?
Hier wird der Weg schon steiniger. Es kommt die Phase des Verdichtens, des Formfin­dens, der Formauflösung. Treffend beschreibt das der Komponist Wolfgang Rihm. Er sagte über die Musik von Pierre Boulez: „Das scheinbar Unfertige wächst zu einer Potenz des Möglichen – stets neuer Wahl ausgesetzt, stets in der Entscheidung“. Ich arbeite in Schichten, immer das ganze Bildformat im Visier, wobei frühe Stadien sichtbar bleiben und weiterwirken können.

3. Haben die Bilder immer etwas mit der menschlichen Figur zu tun, oder sind sie zu­ weilen völlig abstrakt?
Auch wenn man es dem fertigen Bild oft nicht ansieht: Die Figur spielt bei der Entste­hung immer eine Rolle. Sie entwickelt sich während der Arbeit, doch ich lasse die Formen bewusst vieldeutig, um die Komposition offen zu halten. Die eigentliche Aussage des Bildes liegt im Entstehungsprozess selbst, der transparent bleibt, er bestimmt den „Sound“ des Werkes.

4. Welche Rolle spielen die Collagen, die in vielen Werken eingesetzt werden?
Die collagierten Elemente, abgerissene Teile oder Reste eigener Werke, verursachen einen Bruch im Entstehungsprozess. Ich verwende sie als Moment der Provokation, die einen Richtungswechsel in der Komposition auslöst.

5. Wann ist ein Bild beendet?
Das ergibt die Gesamtschau auf das Bild, die immer auch die Möglichkeit des Scheiterns einschließt. Am Ende muss das Bild stehen als bewusste Setzung: mit Klarheit, aber nicht mit Eindeutigkeit; mit Entschiedenheit, aber nicht mit Vollendung.

6. In der Ausstellung „Stationen“ sind fast alle Werkphasen seit 1960 vertreten. Es fällt aber auf, dass Bilder aus den 1970er ­Jahren fehlen.
Diese Jahre waren eine Zeit der Irritation und der Neuorientierung. Nach langjähriger Arbeit in den Gruppen WIR, SPUR–WIR und GEFLECHT war die künstlerische Gemeinsamkeit ausgereizt. 1968 ersetzten wir den künstlerischen Verbund durch das Engagement in politi­schen Gruppen. Gemalt wurde nur noch mit schlechtem Gewissen. Das, was in dieser Zeit entstand, hat eher experimentellen Charakter, es bildet eine Seitenlinie, abseits der Kontinuität meiner künstlerischen Entwicklung.

7. Gibt es einen Maler, der besonders wichtig war und ist?
Das ist zweifellos Max Beckmann. Schon als Schüler in Frankfurt haben mich seine Bilder im Städel fasziniert, ja geradezu aufgeregt, etwa das „Stilleben mit Saxofonen“ mit seiner strengen Räumlichkeit und der fast surrealen Figuration. Auch wenn meine Anfänge als Künstler in München liegen: Von den Bildern Beckmanns gingen die ersten entscheidenden Impulse aus.